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Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Von 
dpa
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Blick in ein durch russischen Beschuss zerstörtes Wohnhaus in Horenka. © Michal Burza

Kiew/Moskau/Berlin. Genau vier Monate nach der russischen Invasion hat die Ukraine im Osten am Freitag eine bittere militärische Niederlage erlitten. Ihre Armee gab sich nach wochenlangen Gefechten in der strategisch wichtigen Großstadt Sjewjerodonezk geschlagen und trat den Rückzug an.

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Sollte das umliegende Gebiet Luhansk komplett fallen, hätte der Kreml ein wichtiges Kriegsziel erreicht. Trotz der schlechten Nachrichten von der Front bejubelte die Ukraine den neuen Status als EU-Beitrittskandidat. In Europa und insbesondere Deutschland stieg die Nervosität angesichts gedrosselter Gaslieferungen aus Russland. Die Bundesnetzagentur warnte vor drei Mal so hohen Gasrechnungen.

Im Osten der Ukraine gibt es widersprüchliche Angaben zur Lage in der umkämpften Großstadt Lyssytschansk. Russische Truppen blockierten nach eigenen Angaben die Stadt von Süden her. Das teilte das russische Verteidigungsministerium am Freitagabend in Moskau mit. Die Verteidigungsstellungen ukrainischer Truppen seien durchbrochen worden, hieß es.

Zuvor hatte der Generalstab der ukrainischen Armee von Luftangriffen durch Russland auf Lyssytschansk am Westufer des Flusses Siwerskyj Donez gesprochen. «Die ukrainischen Verteidiger haben erfolgreich einen Sturm am südlichen Stadtrand Lyssytschansk abgewehrt.» Alle Angaben lassen sich nicht oder nur schwer unabhängig überprüfen.

G7 lasten verschärfte Hungerkrise den Russen an

Angesichts von Hungerkrisen in mehreren Ländern erhoben die sieben westlichen Industrienationen (G7) vor ihrem Gipfel am Wochenende in Bayern gegen Russland schwere Vorwürfe, weil dessen Kriegsmarine ukrainische Getreideexporte übers Schwarze Meer blockiere. «Russland nutzt Hunger ganz bewusst als Kriegswaffe und macht die ganze Welt zur Geisel», sagte Außenministerin Annalena Baerbock. Weltweit seien 345 Millionen Menschen bedroht. Gründe seien auch der Klimawandel und die Corona-Pandemie. «Aber erst Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat aus einer Welle einen Tsunami gemacht.»

Russland wirft Nato und EU Kriegsvorbereitungen vor

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf der EU und der Nato vor, Kräfte zu einem Krieg gegen Russland zu bündeln. Lawrow erinnerte daran, dass Nazi-Deutschland zu Beginn des Zweiten Weltkriegs andere europäische Länder zum Angriff auf die Sowjetunion versammelt habe. «Jetzt stellt auch die EU zusammen mit der Nato eine solche moderne Koalition zusammen für einen Kampf - und letztendlich für einen Krieg gegen die Russische Föderation.»

Im Beschluss des EU-Gipfels, der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten zu geben, sah Lawrow keine Bedrohung. Die EU sei im Unterschied zur Nato kein militärisches Bündnis. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach dagegen von einem Wendepunkt für sein Land. «Die Ukraine ist keine Brücke, kein Polster zwischen dem Westen und Russland, kein Puffer zwischen Europa und Asien, keine Einflusssphäre, keine graue Zone, kein Transitland», sagte er in einer Videoansprache. Die Ukraine sei nun ein «zukünftiger gleichrangiger Partner für mindestens 27 EU-Länder».

Kein Ausharren mehr in zerschlagenen Stellungen

Die inzwischen völlig zerstörte Industriestadt Sjewjerodonezk war bis einer der letzten Teile des Gebiets Luhansk, in dem russische Soldaten und prorussische Separatisten noch nicht vollständig die Kontrolle übernommen hatten. Nun erhielten die letzten ukrainischen Verteidiger das Kommando zum Rückzug. Es ergebe keinen Sinn mehr, «in zerschlagenen Stellungen auszuharren», sagt Gouverneur Serhij Hajdaj. In der nahe gelegenen Stadt Lyssytschansk sind russische Soldaten schon bis zum Stadtrand vorgerückt.

«Preiswelle» beim Gas rollt an

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte beim EU-Gipfel, die Anstrengungen müssten verstärkt werden, um Energie aus anderen Ländern als Russland zu importieren. Das sei eine große Herausforderung, «aber da werden wir uns unterhaken.» Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte bei RTL, die «Preiswelle» beim Gas für Verbraucher sei «faktisch nicht mehr abzuwenden». Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hält gar eine Verdreifachung für möglich.

Die Bundesregierung hatte am Donnerstag die Alarmstufe im «Notfallplan Gas» ausgerufen und Firmen und Verbraucher gebeten, Gas zu sparen. Für den Fall, dass die russischen Gaslieferungen komplett ausfallen, gehen Ökonomen von einer Wirtschaftskrise aus.

USA sagen Ukraine weitere Waffen zu

Die USA kündigten weitere Waffenlieferungen an die Ukraine im Umfang von 450 Millionen Dollar (etwa 428 Millionen Euro) an. Dazu gehören auch Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesysteme und Patrouillenboote. Die USA haben in den bisherigen vier Kriegsmonaten nach eigenen Angaben Waffen und Ausrüstung im Wert von rund 6,1 Milliarden Dollar zugesagt oder bereits geliefert. Die Regierung in Kiew bittet seit Wochen um mehr moderne Waffen, um die militärische Überlegenheit russischer Truppen einzudämmen.

Weißes Haus: G7-Gipfel soll Russland weiter isolieren

US-Präsident Joe Biden reist an diesem Samstag zum G7-Gipfel, der von Sonntag bis Dienstag im Schloss Elmau in Bayern stattfindet. Das Weiße Haus nannte als Ziele des Gipfels, «Russland weiter von der Weltwirtschaft zu isolieren, die russische Rüstungslieferkette ins Visier zu nehmen und weiter gegen die Umgehung dieser beispiellosen Sanktionen vorzugehen». Nach dem G7-Treffen reist Biden zu einem Nato-Gipfel nach Madrid. Auch dort wird der Ukraine-Krieg im Mittelpunkt stehen.

© dpa-infocom, dpa:220624-99-779571/8

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