Keine Antwort

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In Winnenden wurde ein Alptraum wahr. Die Wahnsinnstat des Tim K. löst Entsetzen, Wut und Trauer aus. Noch während der Ort in Schockstarre verharrt, stellt sich die brennende Frage nach dem Warum. Der Wunsch nach einer Erklärung für den blindwütigen Amoklauf mit 16 Toten ist verständlich. Vielleicht hofft man, solche Bluttaten künftig verhindern zu können, wenn man die Motive der Täter kennt. Doch eine Antwort wird es nicht geben: Das Unfassbare lässt sich nicht erklären.

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Tim K. stammte aus einer gut situierten Unternehmerfamilie, besaß Schulabschluss und Lehrstelle. Ein totaler Versager zumindest war er nicht. Mitschüler erzählen zwar, er sei schwer frustriert gewesen und öfter geärgert worden. Doch damit lässt sich der monströse Blutrausch nicht einmal ansatzweise erklären. Frustriert sind viele Menschen. Selbst wer gedemütigt, ausgegrenzt oder schlecht behandelt wird, greift normalerweise nicht zur Waffe. Anders als der Amokläufer von Alabama zielte Tim K. auch nicht auf Verwandte. Zumindest, nachdem er seine frühere Schule nach dem Blutbad verlassen hatte, war die Wahl seiner Opfer beliebig. Weshalb? Wer wollte das erklären?

Fast schon reflexartig erschallt jetzt der Ruf nach Konsequenzen. Elektronische Einlasskontrollen an Schulen fordert die Polizeigewerkschaft, mehr Prävention die Familienministerin. Man sucht nach Halt und Wiederherstellung einer Ordnung, die ein Jugendlicher im schwarzen Kampfanzug buchstäblich zerschossen hat. Doch gegen wahnsinnige Taten eines Einzelnen wird es keinen absoluten Schutz geben. Auch Videokameras können niemanden stoppen, der zum Töten entschlossen ist.

Tim K. galt als "völlig unauffällig". Insofern war die Tat kaum vorhersehbar. Dennoch wäre der Amoklauf erschreckend leicht zu verhindern gewesen: Die Eltern hätten bloß alle Waffen wegschließen müssen. Wer meint, Waffen besitzen zu müssen, hat die verdammte Pflicht, sie zu sichern.