Corona - Empfehlung des deutschen Expertengremiums löst Debatte über Impf-Reihenfolge aus / Gipfel am 1. Februar Kein Astrazeneca-Impfstoff für Ältere

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ZRB
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Brüssel/Berlin. Es ist ein herber Rückschlag für die Impfkampagne in Deutschland: Der Impfstoff von Astrazeneca wird zwar am Freitag von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Doch gerade diejenigen, die ihn am dringendsten brauchen, werden ihn wohl nicht bekommen. In einem Entwurf für eine Empfehlung zum Einsatz des Vakzins, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, rät die Ständige Impfkommission (Stiko), das Präparat von Astrazeneca nur für 18- bis 64-Jährige zu nutzen. Für die Altersgruppe über 65 würden aktuell keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der Impfeffektivität vorliegen. Die klinischen Tests waren vorwiegend mit jüngeren Personen gemacht worden, nur drei Prozent der Probanden waren über 70 Jahre alt.

Der Impfstoff von Astrazeneca wird wohl nur für Jüngere zugelassen. © dpa
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Experten in Brüssel und in Berliner Regierungskreisen fürchten, dass auch die EU-Behörde am Freitag auf dieser Grundlage ihre Marktzulassung nur für Jüngere erteilen wird. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht sich bereits dafür aus, die Reihenfolge der Impfungen zu ändern.

Zu wenige Daten

„Jetzt sollten die vielen unter 65-Jährigen in den Impfgruppen I, II und III den Impfstoff von Astrazeneca bekommen“, so Lauterbach. „Es macht keinen Sinn, den für Ältere wertvolleren Impfstoff von Moderna und Biontech für Pflegekräfte, Polizisten, Justizbeamte, Regierungsmitglieder oder Abgeordnete einzusetzen. Für diese Gruppen ist der Astrazeneca-Impfstoff gut genug geeignet.“ Dafür müsse wohl die entsprechende Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überarbeitet werden. Widerspruch kommt von der FDP. „Das medizinische Personal, das auch zur ersten Gruppe gehört, ist in der Regel jünger als 65 Jahre. Daher können mit diesem Impfstoff prioritär Ärzte und Pflegepersonal geimpft werden.“

Den Kern des Problems beschreibt Peter Liese, CDU-Gesundheitsexperte im EU-Parlament: Es fehle an Daten, „die zu 100 Prozent garantieren würden, dass der Impfstoff bei älteren Menschen genauso gut wirkt wie bei Jüngeren“. Deutschland hat sich 60 Millionen Dosen gesichert, vergleichsweise viel. Die Wirksamkeit ist mit 70 Prozent geringer als bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna. Liese sichert zu: „Astrazeneca ist trotzdem ein guter Impfstoff“ – leicht zu lagern und mit 1,78 Euro günstig. Biontech/Pfizer verlangt siebenmal so viel.

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Ungewiss bleibt, wie viel von dem Impfstoff zur Verfügung steht. Astrazeneca will die geplante Lieferung an die EU-Staaten im ersten Quartal um 60 Prozent auf nur noch 31 Millionen Dosen kürzen. Die EU pocht auf den Vertrag. Das Unternehmen auch: Aussage gegen Aussage. 

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