Großprojekte - Berliner Hauptbahnhof muss bereits 2015 wegen Baumängeln für 25 Millionen Euro saniert werden Kaum gebaut und schon kaputt

Von 
Wolfgang Mulke
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Berlin/Mannheim. Pleiten, Pech und Pannen begleiten öffentliche Bauvorhaben schon seit Jahrzehnten. Damit soll nun bald Schluss sein. Das hofft zumindest Bauminister Peter Ramsauer (CSU). Fast zeitgleich mit der Meldung, dass die Berliner Stadtbahn drei Monate lang für die Beseitigung von Baumängeln am Hauptbahnhof geschlossen werden muss, rief der Minister gestern eine Reformkommission ins Leben. Sie soll in den nächsten 18 Monaten ein Handbuch für Prestigebauten ausarbeiten. Es sei das Ziel, so Ramsauer, "dass Großprojekte nicht mehr außerhalb jedes Zeit- und Kostenrahmens geraten".

Baufällige Brückenkonstruktion: Die oberirdische Strecke des Berliner Hauptbahnhofs muss für den Fern- und Regionalverkehr für drei Monate gesperrt werden.

© dpa

Teilweise Sperrung

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Das jüngste Problem stellte die Bahn am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof fest. Die Brückenkonstruktion der Station hält der Belastung nicht stand. 25 Millionen Euro muss die Bahn nun ausgeben, um das untaugliche Material auszutauschen. Die Folgen werden für die Fahrgäste deutlich spürbar sein. Wenn die Arbeiten 2015 in Angriff genommen werden, wird die zentrale Stadtbahn für drei Monate für den Fern- und Regionalverkehr vom Netz genommen. Die ICE aus dem Westen des Landes werden in den unterirdischen Teil des Bahnhofs umgeleitet. Wer weiter will, muss in die S-Bahn umsteigen.

Über die Schuldfrage an der offenkundigen Fehlplanung beim Material will sich die Bahn nicht äußern. Aber die Garantiefristen für die betroffenen Teile der Konstruktion dürften ohnehin abgelaufen sein. Der Berliner Hauptbahnhof wurde vom Hamburger Star-Architekten Meinhard von Gerkan und dessen Büro Gerkan, Marg und Partner (gmp) entworfen, das auch den Zuschlag für den Neubau der Mannheimer Kunsthalle bekommen hat. Von Gerkan, der den Berliner Hauptbahnhof als "Kathedrale der Mobilität" pries, ist zudem Konstrukteur des Pannen-Flughafens Berlin-Brandenburg. Seit dem Rauswurf der Planungsgesellschaft wird erbittert mit den Anteilseignern über die Frage gestritten, wer für die Verzögerungen beim Hauptstadt-Flughafen verantwortlich ist.

Derlei Pannen ärgern Ramsauer. "Das kann so nicht weitergehen", stellte er mit Blick auf den Berliner Hauptbahnhof fest. Wenn so früh - nach sechs oder acht Jahren - schon Wartungsarbeiten in dem Umfang erforderlich würden, sei das ärgerlich, sagte Ramsauer gestern im Fernsehsender n-tv. "Aber das ist auch wieder so ein typischer Fall: Man baut keine erprobten, belastbaren Techniken mehr ein, sondern es muss immer was revolutionär Neues sein." Dann brauche man sich auch nicht zu wundern, wenn hinterher etwas schiefgehe.

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Es sind jedoch Zweifel erlaubt, ob die neue Kommission mit ihrer Arbeit kostspieligen Flops ein Ende bereiten kann. Denn die Gründe für verfehlte Zeitplanungen und explodierende Kosten sind vielfältig. Das zeigen die aktuellen Beispiele Stuttgart 21, Hamburger Elbphilharmonie oder eben der Großflughafen. Eine Erklärung für solche Pleiten liefert der Präsident des Hauptverbands der Bauindustrie, Thomas Bauer. Früher habe der Bau im Zentrum der Planung gestanden und die Technik des Gebäudes sich den Vorgaben angepasst. "Heute sind Großprojekte komplexe Systeme mit vielen Schnittstellen", erläutert Bauer.

"Suboptimale Vergabepraxis"

Schwer wiegt nach Ansicht von Fachleuten auch eine ungenügende Vergabepraxis bei den Aufträgen. "Es kommt oft eine suboptimale Vergabe heraus", beobachtet der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM), Reinhard Wagner. Da bei den Ausschreibungen die billigsten Firmen zum Zuge kommen, sind Fehlentwicklungen programmiert. Die fehlenden Gewinne holen sich die Betriebe dann über absehbare Nacharbeiten wieder herein.

Korrespondent