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Pandemie - Britische Regierung nimmt hohe Covid-Fallzahlen in Kauf – während Frankreich Impfpflicht für Gesundheitspersonal einführt

Johnson hebt alle Beschränkungen auf

Von 
Peter Stäuber
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Der britische Premier Boris Johnson will Lockerungen – um jeden Preis. © dpa

London. Die Covid-Fallzahlen steigen rapide an, immer mehr Patienten werden ins Krankenhaus gebracht – aber Boris Johnson ficht das nicht an. Der Premierminister ist entschlossen, den 19. Juli zum „Freedom Day“ zu erklären, den lang ersehnten Tag der Freiheit, an dem im größten Landesteil England praktisch alle Pandemie-Maßnahmen fallen werden.

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In der Nacht zum Montag sagte Johnson in einer Mitteilung, dass das Land „dem letzten Meilenstein unseres Fahrplans aus dem Lockdown verlockend nah“ sei. Damit geht England nächste Woche zur Normalität über – ganz so, als gäbe es keine Pandemie mehr. Dabei breitet sich eine neue Welle weiterhin schnell aus. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf nahezu 300 Fälle pro 100 000 Einwohner angestiegen. Und alle Indikatoren weisen darauf hin, dass es noch weit schlimmer kommen wird.

Johnson bemüht sich denn auch, die Partystimmung etwas zu dämpfen. Die Botschaft sei klar: „Vorsicht ist von zentraler Bedeutung“, so Johnson. Was das genau bedeutet, ist allerdings noch nicht klar. In den vergangenen Tagen haben Minister widersprüchliche Signale gesendet, was beispielsweise das Tragen von Gesichtsmasken angeht. Impfminister Nadim Zahawi sagte am Sonntag, dass man von den Leuten erwarte, in Innenräumen eine Maske zu tragen. Zuvor hatte jedoch Finanzminister Rishi Sunak gesagt, er werde „so bald wie möglich“ mit dem Tragen der Maske aufhören.

Gesundheitsexperten warnen

Dass die Regierung jetzt versucht, die Bevölkerung zur Vorsicht zu mahnen, hat vor allem mit den Warnungen von Gesundheitsexperten zu tun. In einem Artikel im Fachjournal „The Lancet“ schrieb eine Gruppe von Pandemie-Experten, die aktuelle Welle werde mit großer Wahrscheinlichkeit exponentiell wachsen, bis „Millionen infiziert sind und damit Hunderttausende an Langzeiterkrankungen leiden“.

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Die Regierung hat offen zugegeben, dass sie hohe Fallzahlen in Kauf nimmt – Gesundheitsminister Sajid Javid etwa sagte letzte Woche, die täglichen Neuinfektionen könnten im Lauf des Sommers auf 100 000 ansteigen. Aber er setzt darauf, dass sich dies dank des Impfprogramms nicht automatisch in einen starken Anstieg der Hospitalisierungen übersetzen wird.

Unterdessen führt Frankreich eine verpflichtende Corona-Impfung für Personal im Gesundheitsbereich ein. Bis Mitte September haben Angestellte in Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie Arbeitskräfte mit Kontakt zu Risikopatienten Zeit, sich impfen zu lassen, wie Präsident Emmanuel Macron ankündigte. Anschließend sollen Verstöße bestraft werden.

Gesundheitsminister Olivier Véran präzisierte, ungeimpftes Gesundheitspersonal könne dann nicht mehr arbeiten und werde nicht mehr bezahlt. Bisher sind etwa 53 Prozent der Menschen in Frankreich mindestens einmal gegen Corona geimpft. Um die Impfkampagne weiter anzukurbeln, sollen PCR-Tests ab Herbst kostenpflichtig werden, sofern sie nicht verschrieben wurden. (mit dpa)

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