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„Ich habe seit 1983 im 3. Stock gewohnt“

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„Putin hat uns alles genommen“, sagt Larysa Halas. Die 48-Jährige steht vor den Ruinen des fünfstöckigen Wohnblocks an der Hauptstraße von Borodjanka. Wo Fenster waren, klaffenschwarze Löcher. Die Rasenfläche vor dem Haus ist voller Glas, zersplittertem Holz, Brocken von Beton. Die metallenen Spielgeräte, auf denen die 48-Jährige als Kind gespielt hat, sind verbogen. Eine gelbe Schaukel hängt nur noch an einer Kette. „Ich habe hier seit 1983 im dritten Stock gewohnt“, erzählt Halas. Mit ihr lebten ihre Tochter und die kleine Enkelin in der Wohnung. In ihrer Hand hält sie eine Tüte, darin Weihnachtsschmuck und eine Tasse. „Ich hatte eine ganze Sammlung von Tassen. Jetzt habe ich nur noch diese eine.“

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© Reto Klar

Als in der Nacht zum 2. März Bomben auf Borodjanka fallen, ist Halas in einem Nachbardorf, wo sie ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Wochenlang harrt sie in ihrem Geschäft aus. Am 4. März erhält sie die erlösende Nachricht, ihre Tochter und Enkelin sind in Sicherheit. Auf dem Spielplatz vor dem Haus liegt die Leiche eines Mannes. „Er war verbrannt.

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