Kirche - Stadtdechant Kleine distanziert sich vom Kardinal Heftige Attacke auf Woelki

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dpa
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Köln. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist in seinem eigenen Erzbistum zunehmend isoliert. Nach dem Diözesanrat distanzierte sich nun auch Stadtdechant Robert Kleine von ihm, der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in der Stadt Köln. Woelkis Anspruch als Aufklärer in der Missbrauchskrise sei „desavouiert“, sagte Kleine dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Kleine stellte sich hinter die Laiengremien des Erzbistums, die Woelki einen völligen Verlust von Glaubwürdigkeit vorgeworfen hatten. „Ich kann das sehr gut nachvollziehen“, sagte Kleine. Viele Gläubige würden derzeit in Mithaftung genommen: „Warum seid ihr denn immer noch in diesem Verein?“, bekämen sie zu hören. „Das erschüttert die Menschen.“ Er könne derzeit niemandem einen Kirchenaustritt verdenken. Die April-Termine für Kirchenaustritte, die am Montag in Köln freigeschaltet wurden, waren bis zum Nachmittag schon zu mehr als der Hälfte ausgebucht, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts.

Bisher keine Konsequenzen

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Ehemalige Mitarbeiter von Woelki gehen bisher aber nicht davon aus, dass der 64-Jährige zurücktreten wird. Er wolle „die Sache durchkämpfen“, heißt es. Andere Bischöfe wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx haben Woelki scharf kritisiert. Kleine ärgert sich darüber, dass in der Missbrauchskrise immer noch kein Verantwortlicher aus eigenem Antrieb Konsequenzen gezogen hat. „In vielen anderen Bereichen übernehmen Führungskräfte sogar politische Verantwortung für Fehler, die sie sich persönlich nicht einmal zurechnen lassen müssen“, sagte er. „Bei uns waren Verantwortliche auch persönlich involviert. Daher müssten sie erst recht sagen: Dafür stehe ich ein.“

Stadtdechant Robert Kleine distanziert sich von Kardinal Woelki. © dpa

Woelki verweigert seit Monaten die Veröffentlichung eines von ihm selbst in Auftrag gegebenen Gutachtens und führt dafür rechtliche Bedenken an. dpa