Serie "Die Krise und ich" Erzieherin Julia Hock: "Wir achten mehr aufeinander"

Von 
Jessica Blödorn
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Serie "Die Krise und ich"

In der Serie stellen wir Personen vor, die vom Coronavirus und den Auswirkungen besonders betroffen sind.

Vor dem Coronavirus war ich in unserer Kindertagesstätte in einer heilpädagogischen Gruppe eingeteilt. Zusammen mit einer Kollegin betreue ich nämlich normalerweise acht zwei- bis sechsjährige Kinder mit Beeinträchtigung. Auch im normalen Alltag fallen immer Schreibarbeiten an, da für jedes Kind jährlich ein individueller Teilhabeplan geschrieben werden muss. Im regulären Betrieb bearbeitet jeder seine eigenen Berichte, zurzeit übernehme ich jedoch die Computerarbeit und tippe auch die Berichte für die Kollegen ab. Da kommt ganz schön viel zusammen.

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Aktuell bieten wir eine Notbetreuung an. Da kommen täglich zwei bis drei Kinder. Die Eltern melden sie an und wir bemühen uns, dass das Kind an diesem Tag auch von dem Erzieher betreut wird, den es kennt und zu dem es eine besonders gute Beziehung hat. Denn die derzeitige Situation ist schon schwierig genug für sie, da möchten wir es ihnen doch so leicht wie möglich machen, mit ihr zurechtzukommen.

Ich vermisse die Arbeit mit meinen Gruppen sehr. Wir haben den Job ja aus einem bestimmten Grund gewählt – nämlich um mit Kindern zusammenzuarbeiten – und dieser fällt jetzt größtenteils weg. Die Kleinen versprühen eine so große Lebensfreude und bringen so viel Abwechslung in den Alltag. Das fehlt mir sehr. Es ist ein ein schreckliches Gefühl und sehr schwierig für uns alle. Doch mir fällt auch etwas ganz Tolles auf: Der Zusammenhalt im Kollegium ist stärker denn je. Wir achten mehr aufeinander und unterstützen uns gegenseitig. Wir versuchen, diese Krisenzeit gemeinsam zu überstehen und das klappt bisher gut. Diese Zeit schweißt uns zusammen und wir entwickeln uns in dieser Situation weiter. Es wird auch nach der Krise dabei bleiben, da bin ich mir sicher. (jeb)

Julia Hock, 28, Erzieherin aus Ludwigshafen

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pwr
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Volontariat Geboren am 29. April 1992 in Gießen. Masterstudium an der JLU Gießen mit dem Schwerpunkt Deutsche Literatur. Seit 2019 in Mannheim lebend.

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