Pandemie - Betroffene berichten Kanzlerin von Ausnahmezustand Eltern im Gespräch mit Merkel

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dpa
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Berlin. Es ist der emotionalste Moment in der eineinhalbstündigen Videoschalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag: Als Jihan Kodr, vierfache Mutter und Mitarbeiterin eines Sozialprojekts aus Wattenscheid sagt, „wir wollen unseren Kindern mehr helfen“, bricht ihr die Stimme weg. „Viele Familien in Wattenscheid, Bochum, viele Migrationsfamilien sind einfach Analphabeten. Die Kinder bekommen die Unterstützung nicht“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme.

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Merkel bekommt an diesem Vormittag bei der Videokonferenz mit Eltern im Rahmen ihrer Talkreihe „Die Bundeskanzlerin im Gespräch“ einen Einblick in die bittere Corona-Realität vieler Familien im Land. Seit Wochen strampeln sie sich ab zwischen Homeschooling und Homeoffice. Kinder verlieren wertvolle Bildungszeit, dürfen keine Freunde treffen, Familieneinkommen sinken, während Ausgaben zu Hause steigen. Die Nerven liegen blank.

Angst vor Vereinsamung

Angela Merkel führt vom Kanzleramt aus einen virtuellen Bürgerdialog. © dpa

Das Homeschooling sei furchtbar, berichtet Katharina Bertram, alleinerziehende Mutter aus Frankfurt. Ihre Erstklässlerin, die noch nicht rechnen und schreiben könne, wolle sie nicht als Lehrerin und fange nach mehreren Stunden irgendwann zu weinen oder zu toben an. „Ich soll einfach nur ihre Mama sein.“ Lars Jacobs, Witwer aus Karlsruhe mit zwei kleinen Kindern im Alter von fünf und sieben Jahren nennt Extra-Leistungen vom Staat wie den Corona-Kinderbonus einen Tropfen auf den heißen Stein. „Das verpufft sofort (...) besser als nix, aber fast genauso wie nix.“ Er zählt höhere Stromkosten auf, durch häufigeres Kochen und mehr Ausgaben für Essen.

14 Mütter und Väter kommen in der Videoschalte zu Wort. Die Runde ist bunt gemischt aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Das Kanzleramt hatte den Deutschen Familienverband, den Verband Kinderreicher Familien, den Verband Alleinerziehender Mütter und Väter sowie Caritas und Diakonie gebeten, Teilnehmer vorzuschlagen.

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Die Probleme dürften den meisten bekannt vorkommen: Ein Vater aus Rastatt in Baden-Württemberg berichtet von Enge in der Wohnung und fehlenden Laptops für seine vier Kinder. Eine fünffache Mutter aus dem sächsischen Zwickau sieht die Noten bei ihren Kindern abrutschen und macht sich Sorgen wegen weggebrochener Berufsorientierung für die Älteren. Außerdem gibt es bei ihr seit Monaten keinen Vereinssport für den Nachwuchs mehr.

Andere erzählen davon, dass sie sich Sorgen machen, dass ihre Kinder im Homeschooling vereinsamen. „Für ein Kind mit zehn Jahren ist so viel Alleinsein einfach nicht gut“, sagt eine Mutter in der Runde. Eine andere Mutter aus Rheinland-Pfalz spricht von „sozialer Isolation“.

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Starker Stoff für Merkel, die keine Kinder hat, wie sie in der Runde noch einmal erwähnt. Sie sagt zu, sich einige Vorschläge aus dem Gespräch noch einmal anzusehen, etwa kostenlose Bildungsgutscheine für Nachhilfe, damit Kinder verpassten Stoff nachholen können, eine höhere Altersgrenze für die Gewährung der Kinderkrankentage – sie liegt jetzt bei zwölf – oder die Forderung nach einem Familiengipfel. dpa

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