Affäre - Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow muss sich nach seiner Merkel-Verniedlichung auf der Clubhouse-App auch Kritik aus den eigenen Reihen anhören „Ein Akt männlicher Ignoranz“

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dpa
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Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, hat Kanzlerin Angela Merkel im Chat als „Merkelchen“ bezeichnet und gerät deswegen unter Druck. © dpa

Erfurt. In der Ministerpräsidentenkonferenz auf dem Smartphone spielen und die Kanzlerin als „Merkelchen“ verniedlichen: Nur wenige Tage nach Beginn des Hypes um die Talk-App Clubhouse in Deutschland hat sich mit Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow der erste Spitzenpolitiker mit lockeren Plaudereien in Bedrängnis gebracht. Die Kritik an seinen Äußerungen, für die sich der Linke-Politiker nach Angaben der Staatskanzlei von Montag auch persönlich bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entschuldigte, hielt an. Sie kam nun auch aus Ramelows rot-rot-grünem Kabinett in Erfurt.

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„Wer bei Clubhouse redet, muss wissen, was er tut“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Wichtig sei ihr, dass sich Ramelow „für die leider immer wieder männertypische Verniedlichung einer Frau in der Politik entschuldigt“ habe. „Das ist gut so“, äußerte die Grünen-Politikerin. Ramelow soll die Kanzlerin bei dem Talk auf der Plattform als „Merkelchen“ bezeichnet haben. Er hatte sich dafür bereits am Wochenende per Twitter entschuldigt.

„Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz“, schrieb der Chef von Thüringens rot-rot-grüner Minderheitsregierung. Nach Angaben der Staatskanzlei nahm Ramelow nun auch direkt Kontakt zur Kanzlerin auf, um sich für seine Äußerung zu entschuldigen. Es sei nicht Ramelows Absicht gewesen, „Frau Merkel klein zu machen“, sagte sein Sprecher der dpa. „. Er bedauert das zutiefst.“

Die Bundesregierung lehnte eine Bewertung des missglückten Ramelow-Auftritts bei Clubhouse ab. „Das steht für sich und bedarf keines weiteren Kommentars“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Siegesmund erklärte: „Die Pandemie folgt keinem Parteibuch; umso wichtiger ist gegenseitiger Respekt und die konzentrierte gemeinsame Suche nach den besten Lösungen für die Menschen. Das macht die Kanzlerin seit Anfang an.“

Appell zu gegenseitigem Respekt

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Ramelow soll in einer Talkrunde der Audio-App in der Nacht zu Samstag auch geäußert haben, dass er sich bei den oft stundenlangen Ministerpräsidentenkonferenzen, bei denen derzeit Corona-Regeln zwischen Bund und Ländern abgestimmt werden, mit einem Smartphone-Spiel entspannt. Auch dafür erntete er nicht nur in den sozialen Medien Kritik. „Wenn sich bewahrheitet, dass Bodo Ramelow während der Ministerpräsidentenkonferenz Handyspiele spielt, dann sollte er sein Verhalten überprüfen“, sagte Innenminister Georg Maier (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag).

Andere Vertreter der rot-rot-grünen Koalition reagierten am Montag mit Kopfschütteln und äußerten sich peinlich berührt. „Die Äußerung zu Candy Crush oder die Verniedlichung von Merkel bekommt Ramelow so schnell nicht los. Das hat Langzeitwirkung“, hieß es bei der Thüringer SPD in Erfurt. „Manchmal ist es aber besser, einfach mal die Klappe zu halten“, schrieb eine Grünen-Politikerin bei Twitter, ohne den Namen Ramelow zu nennen.