Diana Zinkler - über den Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt: Die Beschlüsse geben den Familien keine neue Perspektive Durchhalten!

Von 
Diana Zinkler
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Der Bund-Länder-Gipfel vom Dienstag ist eine Art Durchbruch. Zumindest für die FFP2-Maske, der bisherige Goldstandard unter den Masken soll nun Pflicht werden. In Geschäften, im öffentlichem Nahverkehr, im Altenheim und am Arbeitsplatz geht ohne sie nichts mehr. Vorbei sind die Zeiten der lustigen Smiley-Maske, des ollen Stofffetzen, ab jetzt soll nur noch die FFP2-Variante oder der Standard KN95/N95 Nase und Mund vor den Coronaviren schützen.

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Ansonsten hatten die neuen und alten Beschlüsse zum Lockdown, die bis zum späten Mittwochabend verhandelt wurden, wenig mit Durchbruch, Aufbruch oder aufatmen zu tun. Die Parole der Stunde heißt weiter: durchhalten. Vor allem wegen des mutierten Coronavirus. Auch wenn die Corona-Fallzahlen sinken, ist große Vorsicht geboten.

Auch wenn Beschlüsse wie zum Homeoffice sich sogar positiv auf den Corona-Pandemie-Alltag auswirken können. Denn Firmen müssen nun ihren Mitarbeitern erlauben, von zu Hause aus arbeiten zu können und wenn das nicht geht, es begründen. Eine Regelung, die nebenbei sicherlich noch Auswirkungen auf die Zeit nach der Corona-Pandemie haben wird. Arbeiten wird endlich flexibler. Außerdem wird das Homeoffice in manchen Betrieben wie auch Behörden den Zwang zur Digitalisierung erhöhen.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass durch die Corona-Maßnahmen auch die Zahl der Infektionen sinkt. Denn auch das wurde jedes Mal auf den Bund-Länder-Gipfeln betont, dass erst, wenn wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern erreicht ist, wir wieder auf ein bisschen Normalität hoffen dürfen. Im Moment liegt diese bei 131, Stand Dienstag. Ob bis zum 14. Februar, bis dahin soll dieser Lockdown voraussichtlich andauern, die Inzidenz so weit unten ist, dass Geschäfte, Restaurants und Schulen wieder öffnen, ist nicht berechenbar. Denn das Coronavirus ist unberechenbar.

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Doch die Sache mit dem Homeoffice hat einen Haken. Einer, der so tief im Fleisch der Eltern sitzt, dass er offenbar wieder einmal von den Teilnehmern des Bund-Länder-Gipfels nicht gesehen wurde – oder absichtlich übersehen.

Denn für die durch den Lockdown besonders gebeutelten Familien geben die neuen Beschlüsse keine Perspektive. Im Grunde lautet die Botschaft des Gipfels: Die Kinder bleiben weiterhin zu Hause, ob sie etwas dabei lernen, ist Zufall und auch nicht so wichtig. Uneinheitlich, föderalistisch und ungerecht ist das. Bildungserfolg und der Erhalt des für viele Schüler essenziellen Mensa-Essens, hängt am Ende davon ab, in welchem Bundesland man lebt. Einige Länder setzen auf Distanzunterricht, andere wenden ein wechselndes Präsenzsystem für Grundschüler und Abschlussklassen an. Ein großer Teil der Elternschaft hat sich mit den Schulen und vor allem den Kitas längst auf ein anderes System geeinigt. Die Notbetreuung. In Kitas, die offiziell geschlossen sind, aber natürlich notbetreuen, sitzen ab 9 Uhr morgens längst mehr als 50 Prozent der Kinder und spielen miteinander.

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Wie soll es auch anders gehen? Wenn jetzt eine striktere Homeoffice-Regel gilt, heißt das noch lange nicht, dass Eltern ihre Kinder dann zu Hause auch betreuen können. Sie sollen ja arbeiten. Die Kanzlerin und die Länderchefs haben auch dieses Mal die für die Familien so wichtige Frage nicht beantwortet: Lässt man das Kind zu Hause oder bringt es in die Notbetreuung und treibt damit womöglich die Corona-Zahlen in die Höhe? Wenn es sich bewahrheitet, dass die Mutation B.1.1.7. des SARS-CoV2-Virus sich auch stärker unter Kindern und Jugendlichen verbreitet, dann könnte das ein schlimmer Fehler gewesen sein. Und damit bliebe auch eine Inzidenz unter 50 in weiter Ferne.