Griechenland - Am Montag lockert die Regierung in Athen die Ausgangssperren, die Bürger zahlen jedoch einen hohen Preis Düstere Prognosen für die Wirtschaft

Von 
Gerd Höhler
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Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in seinem Büro. © dpa

Athen. Seit fast 40 Tagen dürfen die Menschen in Griechenland ihre Wohnungen nur ausnahmsweise verlassen. Schulen, Geschäfte und Gaststätten, Sportplätze und Strände sind geschlossen. Die Wirtschaft ist gelähmt. Jetzt endlich verkündete Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis den Fahrplan zur Lockerung der Beschränkungen. Er beginnt am Montag mit dem Ende der Ausgangssperren und der Öffnung kleinerer Geschäfte. Schrittweise soll bis Ende Juni die Wirtschaft wieder hochfahren – vorausgesetzt, die Pandemie bleibt unter Kontrolle.

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Dank frühzeitig eingeführter Kontaktbeschränkungen hat Griechenland eine der niedrigsten Covid-19-Sterblichkeitsraten in Europa. Dennoch bezahlen die Griechen einen hohen Preis. Die Wirtschaft, die sich gerade erst von der schwersten Finanzkrise der Nachkriegszeit zu erholen begann, wird wieder weit zurückgeworfen. Wie tief der Absturz wird, ist noch unklar. Der griechische Notenbankgouverneur Yiannis Stournaras erwartet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um vier Prozent. Deutlich pessimistischer ist der Internationale Währungsfonds (IWF). Er prognostiziert Griechenland ein Minuswachstum von zehn Prozent. Noch skeptischer sind die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley. Sie rechnen in Griechenland mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 13,3 bis 21,3 Prozent.

Wie schnell sich Griechenlands Wirtschaft von der Corona-Krise erholen wird, hängt stark davon ab, wie schnell der Tourismus im Land wieder auf die Beine kommt. Die Reisebranche erwirtschaftete im vergangenen Jahr direkt 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Indirekt trägt sie sogar rund 30 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Jeder fünfte Job hängt am Fremdenverkehr. Vor allem für den Arbeitsmarkt hat die Krise verheerende Folgen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Griechenland mit 17,3 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Der IWF erwartet für dieses Jahr einen Anstieg auf 22,3 Prozent.

Mit Milliardenspritzen versucht die Regierung, angeschlagene Unternehmen zu retten und gefährdete Arbeitsplätze zu sichern. Eigentlich hoffte Griechenland, seine Schuldenquote von 176,6 Prozent des BIP bis Ende dieses Jahres auf 169,3 Prozent zu senken. Daraus wird nichts. Der IWF erwartet, dass die Schuldenquote Ende des Jahres mit 200,8 Prozent des BIP einen neuen Rekord erreichen wird.