USA - Student Leo Römisch lebt im Zentrum von New York – Angst wegen der rasch steigenden Infektionszahlen hat er nicht „Die Stimmung in der Stadt ist konstant angespannt“

Von 
Larissa Hamann
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New York: Ein Mann trägt eine Maske und geht über die 5th Avenue. © dpa

Mannheim. New York gilt als die Stadt, die nie schläft. Nun ist die US-Metropole am stärksten von der Corona-Krise betroffen. Student Leo Römisch über die Lage vor Ort.

Jurastudent

  • Leo Römisch wohnt seit drei Jahren in New York.
  • Der 30-Jährige ist in Nussloch aufgewachsen.
  • Er hat in Berlin Jura studiert. Derzeit macht er an der New York University einen Jura-Master. 
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Herr Römisch, wie ist die Stimmung im Moment in New York?

Leo Römisch: Die Stimmung in der Stadt ist konstant angespannt, seit klar ist, dass New York auf dem Weg in italienische Verhältnisse ist. Auf den Straßen ist es ein bisschen abhängig vom Wetter: Vor drei Tagen war ich spazieren, da waren schon noch Leute draußen. Aber ich hatte den Eindruck, dass die Leute das social distancing einhalten. Wenn jemand an einem vorbeikam, haben wir möglichst viel Abstand eingehalten. Ich wohne im East Village, das ist normalerweise am Wochenende ein Partyviertel mit Remmidemmi. Aber als ich Samstagnacht einen Brief eingeworfen habe, war da keine Menschenseele. Auch die Busse, die vorbeifuhren, waren menschenleer. Ich habe viel Kontakt mit meinen Kommilitonen, manche sind sehr gefasst, manche hysterisch.

Haben Sie Angst?

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Römisch: Ich mache mir in erster Linie Sorgen um meine Eltern. Natürlich ist die Lage in New York ziemlich ernst, aber die Versorgung ist noch gut. Wir waren einkaufen, die Leute müssen zwar wegen des Sicherheitsabstandes Schlange stehen, aber es war alles da – auch Klopapier übrigens. Aber natürlich darf man jetzt auf keinen Fall krank werden, weil die Krankenhäuser dafür jetzt keine Zeit haben. Angst würde ich bekommen, wenn die Versorgung zusammenbrechen würde.

Was für Maßnahmen merken Sie?

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Römisch: Man darf hier nur noch mit den Personen unterwegs sein, mit denen man auch zusammen lebt. Da scheinen sich auch die meisten dran zu halten. Was typisch für New York ist: Hier kochen die Leute wenig selbst und bestellen viel. Jetzt gab es in den sozialen Medien Nachrichten, dass sich Reiche sehr teures Essen von den Nobelrestaurants liefern lassen. Weil so viele Leute bestellen, standen dann die Lieferanten in riesigen Pulks vor den Restaurants und warteten auf die Bestellung. Das ist natürlich asozial, wenn die Reichen ihr Luxusessen bestellen, und die Arbeiter, die auf das Geld angewiesen sind, der Infektionsgefahr ausgesetzt werden.

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Wie ist die Lage an der Uni?

Römisch: Vor zwei Wochen haben einige Unis die Studenten mehr oder weniger aus den Wohnheimen geworfen, sie hatten 48 Stunden Zeit, um ihre Sachen zu packen. Das war ziemlich krass. Besonders für Studenten, die aus dem Ausland kommen. Das wurde unter anderem damit gerechtfertigt, dass die Zimmer eventuell für Kranke genutzt werden können. Möglicherweise wollten die Unis aber auch nur die Verantwortung loswerden.

Was halten Sie von der Politik?

Römisch: Donald Trump hat das eindeutig komplett falsch eingeschätzt. Und wahrscheinlich auch nicht richtig einschätzen wollen. Es wäre besser gewesen, viel früher drastischere Maßnahmen zu ergreifen. Gouverneur Andrew Cuomo wird sehr gelobt. Alle hoffen, dass er das gut macht. Er gilt als Kontrollfreak, das ist in der Krise etwas Gutes. Ich habe den Eindruck, dass er sein Bestes tut und deutlich besonnener handelt als die amerikanische Bundesregierung. Was daraus wird, mal sehen.

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