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Umwelt - Erstmals haben Forscher die zukünftigen Regen-, Hitze- und Trockentage in Deutschlands Landkreisen hochgerechnet

Die Folgen des Klimawandels

Von 
Diana Zinkler
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Überflutete Straßen nach einem Unwetter in Karlsbad. Laut einer Studie wird es in Zukunft häufiger zu Wetterextremen kommen. © dpa

Berlin. Wie wäre es, wenn man in die Zukunft schauen könnte? Wenn sich voraussagen ließe, wie wir in der Mitte des Jahrhundert oder sogar Ende des Jahrhundert in jedem Landkreis in Deutschland leben werden? Forscherinnen und Forscher des Helmholtz-Zentrums Hereon sind diesen Fragen nachgegangen. Für jede Region in Deutschland kann man nun sehen, wie viele Regentage, Hitzetage, Trockentage, schwüle Tage es künftig mehr geben wird. Welche Waldgebiete bedroht sind und worauf sich jeder Bürger persönlich in seiner Region schon einstellen kann. Die Ergebnisse sind teilweise schockierend.

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In der Abteilung für Klimaforschung Gerics (Climate Service Center Germany), die zum Helmholtz-Zentrum Hereon gehört, haben die Forschenden Klimaausblicke entwickelt, die die Entwicklungen für die nächsten Jahrzehnte für jede Region beschreiben. Dafür wurde Deutschland in 401 Gebiete aus Landkreisen, Kreisen und kreisfreien Städten gebündelt. Erstmals kann jeder sehen, wie sich der Klimawandel auswirken wird. Und egal, welches Rechenmodell man anwendet: Die Zahl der Hitzetage nimmt zu, im Südwesten am meisten, im Norden weniger.

Auch die extremen Wetterereignisse wie Starkregen werden mehr. Was aber nicht bedeutet, dass insgesamt die Menge des Niederschlags wächst. Es gibt nur längere, extremere Phasen. Auch davon ist der Süden mehr betroffen, allerdings gibt es auch Regionen an der nordwestlichen Küste, die der Starkregen eher trifft als andere: wie Nordfriesland und Dithmarschen in Schleswig-Holstein oder Cuxhaven und Aurich in Niedersachsen.

Städte müssen Lösungen finden

Auch hier wird es zu länger andauernden Starkregen kommen, in den vier genannten Regionen gibt es aktuell schon im Schnitt drei Starkregentage, Ende des Jahrhunderts wird es ein Plus von 2,5 Tagen geben. Das entspricht fast einer Verdopplung. Auch die Wissenschaftler sind vom vermehrten Starkregen in jedem Kreis überrascht gewesen. Dr. Diana Rechid, die eine der drei Autorinnen und Autoren des Klimaausblicks ist, beschreibt die Konsequenzen: „Das heißt, an einem Tag fällt viel Niederschlag, was zu Überschwemmungen führen kann. Flüsse können über die Ufer treten“. Städte müssten Lösungen finden, wie sie damit umgingen.

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Für die Berechnungen wurden drei Szenarien angenommen, mit denen die Wissenschaftler die Zukunft betrachten. Beim ersten Szenario kann man mit wirksamem und schnellem Klimaschutz die globale Erwärmung um zwei Grad begrenzen. „Ich schließe nicht komplett aus, dass wir das schaffen, weil es dringend notwendig ist, um schwerwiegende Veränderungen zu verhindern. Aber im Moment sehe ich dafür nicht die nötigen politischen Maßnahmen“, sagt Rechid.

Beim zweiten Szenario wird das Klima, so wie bisher von den Ländern weltweit beschlossen, geschützt: Also nur wenig. Die Welt landet bei einer globalen Erwärmung von drei Grad. Das dritte Szenario ist das „Worst-Case-Szenario“ – ohne Klimaschutz. Der schlimmste Fall, der eintreten kann. Bei allen drei Szenarien wird das angestrebte Ziel des Pariser Klimaabkommens von nur 1,5 Grad Erderwärmung nicht erreicht.

Schon jetzt also ergeben sich daraus vielfache Veränderungen. Nicht eine Region bleibe laut der Forschenden vom Klimawandel verschont. Überall wird es wärmer und heißer. Für den Landkreis Nordfriesland bedeutet das mehr schwüle Temperaturen, tropische Nächte, anhaltende Hitzeperioden und mehr Starkregen. In den Gebirgsregionen der Alpen oder des Schwarzwalds ist eine besonders starke Erwärmung zu erwarten.

Was bedeutet, dass Städte künftig anders planen müssen. Spielplätze und freie Plätze sollten Schatten bieten, Städte brauchen mehr Grün- und Wasserflächen, um Trockenheit und Hitze besser zu kompensieren. Städte wie Karlsruhe oder Freiburg im Südwesten sind besonders vom Temperaturanstieg betroffen. In Karlsruhe kann man Ende des Jahrhunderts pro Jahr mit etwa 18 Tagen mehr über 25 Grad rechnen. Die Spannbreite der Modelle reicht von fünf bis 45 Tagen. Und auch einen Anstieg bei den heißen Tagen über 30 Grad sehen die Forscher. Sind es bisher zehn heiße Tage dort, kann es im Extremfall bis zu 31 heiße Tage im Jahr mehr geben.

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Der Wald wird anders aussehen

Auch der Wald ist bedroht. Ende des 21. Jahrhunderts, so die Forscher, würde es die Wälder in Deutschland in der Zusammensetzung wie heute nicht mehr geben, erklärt Rechid. Die Fichte wird wegen ihrer flachen Wurzeln zum Beispiel nicht mehr an genügend Wasser herankommen. Aber auch die Buche wird es schwer haben.

Zumindest im Bundesumweltministerium hat man offenbar den Ernst der Lage erkannt. Am Mittwoch eröffnet Ministerin Svenja Schulze ein „Zentrum Klimaanpassung“, das Kommunen helfen soll, sich auf den Klimawandel vorzubereiten. „Die Folgen des Klimawandels treffen Städte, Landkreise und Gemeinden als Erstes. Das macht die Kommunen zu Schlüsselakteuren bei der Anpassung“, sagte Schulze.

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