Die Falschen

Martin Ferber zu den Ärzteprotesten gegen die neuen Honorarregeln

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Die Situation könnte paradoxer nicht sein: Fast drei Milliarden Euro mehr stellen dieses Jahr die Krankenkassen - und damit die Beitragszahler - für Honorare zur Verfügung, rein statistisch rund 20 000 Euro mehr pro Arzt. Dennoch drohen vor allem Fachärzte in Bayern und Baden-Württemberg mit anhaltenden Protesten.

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In der Tat gibt es im bundesweiten Vergleich Verlierer, aber deutlich mehr Gewinner der Neuverteilung. Fachärzte in den gut situierten Regionen, die in den letzten Jahren am meisten vom milliardenschweren Umverteilungssystem profitierten, bekommen nun weniger. Davon profitieren besonders Hausärzte im Norden und Osten, die für die medizinische Grundversorgung unverzichtbar sind. Während sich in Großstädten die Fachärzte auf engstem Raum um Patienten balgen, nimmt in den strukturschwachen Regionen das Landarztsterben dramatische Ausmaße an. Diesen Trend sollte die Honorarreform stoppen.

So treffen die Proteste die Falschen. Vielmehr haben wieder einmal die Kassenärztlichen Vereinigungen versagt. Die Standesorganisationen sind offenbar nicht in der Lage, für eine gerechte Verteilung der Ärztehonorare zu sorgen.