Pandemie - Ärztevertreter rechnen mit einer weiteren Verlängerung des Lockdowns bis mindestens Ende Februar Die Bundeskanzlerin mahnt zu Vorsicht

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dpa
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Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu größter Vorsicht im Umgang mit der Corona-Pandemie selbst für den Fall gewarnt, dass wie angestrebt ein Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Menschen innerhalb einer Woche erreicht werden sollte. Man solle „bitte nicht denken, dass, wenn wir bei 50 sind, das Leben des Sommers sofort wieder da ist. Dann sind wir sofort wieder im exponentiellen Wachstum“, warnte Merkel am Mittwoch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Teilnehmern in einer Video-Schaltkonferenz der Unionsfraktion im Bundestag. Dort informierte sie die Abgeordneten über die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen vom Vorabend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Kabinettssitzung. © dpa
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Merkel sagte nach diesen Informationen, die Gesundheitsämter müssten ertüchtigt werden, bei den Infektionen wieder die Kontaktnachverfolgung zu schaffen. Sie wurde mit den Worten zitiert: „Ansonsten kriegen wir keinen Spielraum für Öffnungen.“ Wenn etwa in Nachbarländern bei einer Inzidenz von 100 oder 120 geöffnet worden sei, habe es dort zwei, drei Wochen gedauert, bis man wieder im exponentiellen Wachstum gewesen sei.

Daher sei es Ansatz der Bundesregierung, darauf zu dringen, die Marke 50 zu schaffen oder darunter zu gehen, betonte Merkel nach diesen Informationen. Auch eine Inzidenz von 50 sei „noch ganz schön wackelig“. Mit ertüchtigten Gesundheitsämtern habe man aber „eine faire Chance, ein paar, aber sehr sequenzierte und gut durchdachte Lockerungen zu machen“. Für die Verbreitung des mutierten Coronavirus seien Homeoffice und Kontaktbeschränkungen von entscheidender Bedeutung, sagte die Kanzlerin.

Merkel sprach demnach von einer sehr ernsten Situation in einer sonst sehr hoffnungsfrohen Zeit, nachdem die Inzidenz nach Weihnachten gesunken sei und man einen Impfstoff habe. Nun müsse darauf geachtet werden, dass man in Deutschland kurz vor der „Endstrecke der Pandemie“ nicht nochmals einen Ausbruch des Virus bekomme.

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Bundesweit ging die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in 7 Tagen auf 123 zurück, wie das Robert Koch-Institut am Mittwoch bekanntgab – der Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 verzeichnet worden. Die Zahl sinkt seit einigen Tagen. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind weiter groß – von Thüringen mit 238 bis Bremen mit 79.

Noch 4800 Intensivpatienten

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet mit einer Verlängerung der Corona-Maßnahmen über Mitte Februar hinaus. Man müsse die Menschen daran gewöhnen, dass das eine Lebensform für den Rest des Winters sei, sagte er im SWR.

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Der Vorsitzender der Intensivmediziner-Vereinigung Divi, Gernot Marx, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wir werden mindestens bis Ende Februar oder Anfang März benötigen, wenn die Maßnahmen greifen, um die Patientenzahl auf den Hochpunkt der ersten Welle zu drücken – knapp unter 3000.“ Am Mittwoch waren rund 4800 Corona-Patienten auf Intensivstationen. dpa