Raumfahrt - Wernher von Braun entwickelte Trägerrakete für erfolgreiche Apollo-11-Mission Der Wettlauf zum Mond und um die Herrschaft im All

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Thomas Spang
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Washington. Bis zum Aufsetzen sind es nur noch wenige 100 Meter. Neil Armstrong sucht einen Landeplatz für seinen „Eagle“ (Adler). Doch der Kommandant der Apollo-Raumkapsel sieht nur Felsen unter sich. Plötzlich gerät das Raumschiff ins Schlingern.

Das Bild der NASA zeigt den Start der Saturn-Rakete der Apollo-11-Mission am 16. Juli 1969 vom Kennedy Space Center aus. © dpa
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Co-Pilot Edwin „Buzz“ Aldrin meldet zudem einen drastischen Höhenabfall. Das Kontrollzentrum in Houston rät zum Abbruch des Landeversuchs. Vergebens – die Regieanweisung kommt knapp anderthalb Sekunden zu spät für ein Umdisponieren.

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Das Raumschiff schlägt hart auf, die Kapsel zerbricht beim Aufprall. Eine Katastrophe, die glücklicherweise nur am Flugsimulator eintrat, als Armstrong und Aldrin drei Wochen vor der tatsächlichen Mondlandung für den Ernstfall übten: zum Mond fliegen, landen, aussteigen.

Landung auf Verdacht

Vier Tage, vier Stunden und 14 Minuten nach dem Start haben Armstrong und Aldrin am 21. Juli 1969 wieder die Mondoberfläche vor Augen, während Michael Collins, der dritte Mann der Apollo-Besatzung, das Raumschiff um den Mond kreisen lässt. Rund 380 000 Kilometer von der Erde entfernt kommt der schwierigste Teil der Mission – die Landung.

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Der Treibstoff reicht nur noch für Sekunden, der Untergrund ist wie in der Simulation wenig einladend. Doch Weitersuchen ist zwecklos. Ein Touchdown auf Verdacht, die Landung gelingt – acht Kilometer weiter als berechnet.

Was danach folgt, ist Legende. Um 22.56 Uhr Houston-Zeit berührt Armstrong als erster Mensch den Mondboden. „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen“, sagt Armstrong beim Ausstieg, „ein riesiger für die Menschheit.“

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Das vermutlich größte Medienereignis bis dahin zieht rund 600 Millionen Menschen weltweit in Bann. Allein in den USA sahen 94 Prozent der Haushalte die Schwarzweiß-Bilder live über die Monitore flimmern, als Armstrong zum Sprung von der Leiter auf den Mondstaub ansetzte und Aldrin 19 Minuten später folgte.

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Die Apollo-Mission hatte auch eine politische Dimension. Im April 1961 scheiterte die vom Geheimdienst CIA gestützte Invasion von Exilkubanern in der kubanischen Schweinebucht. Dann traumatisierten die Morde an Martin Luther King und John F. Kennedy die USA. Dass die Sowjets mit dem Start des ersten künstlichen Satelliten – des Sputnik – und der ersten Erdumkreisung durch Juri Gagarin auch im Wettlauf um das All die Nase vorn hatten, kratzte mächtig am Ego der Nation.

Mit der „Eroberung“ des Mondes fühlten sich die USA im Systemwettstreit rehabilitiert. Es war eine Vision, für deren Umsetzung Präsident Kennedy am 25. Mai 1961 grünes Licht gegeben hatte. 43 Tage nach Gagarins Coup schwor er die US-Amerikaner darauf ein, vor Ablauf der Dekade „einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen“. Die neue Front lag nicht mehr im Westen, sondern im All. Und die Apollo-Mission verstand sich als Variante des US-amerikanischen Traums. Sie bedeutete in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Die USA stellten einen Etat in Höhe von etlichen Milliarden US-Dollar bereit, beteiligten 20 000 Firmen und Institute und beschäftigten rund 400 000 Menschen.

Kennedys Vorgabe

Am 10. Januar 1969 präsentierte die NASA die Apollo-Crew: Armstrong als Kommandant, Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond und zuständig für den Kontakt zur Erde, sowie Collins als Pilot des Raumschiffs. Der Sicherheit widmete die NASA bei rund sechs Millionen Einzelteilen besondere Aufmerksamkeit.

Für die Träger-Rakete zeichnete Wernher von Braun verantwortlich. Der geniale wie umstrittene Raketenbauer hatte für die Nationalsozialisten in Peenemünde auf Usedom die Langstreckenrakete „V2“ entwickelt. In einer Geheimoperation der US-Armee lief er nach Kriegsende zu den Amerikanern über. Für die Apollo 11 entwickelt er die „Saturn V“-Rakete – 110 Meter hoch und fast 2900 Tonnen schwer. Mit rund 160 Millionen PS ist sie bis heute die antriebsstärkste Rakete.

Ungeachtet dessen gibt es Millionen Menschen, die der festen Überzeugung bleiben, es habe nie eine Mondlandung gegeben – auch nicht bei späteren Apollo-Flügen. Alles sei eine gewaltige Täuschung. Bilder, Filme und TV-Übertragungen der Szenen stammten stattdessen aus einem geheimen Fernsehstudio in einem streng geheimen Militärgelände in der Wüste Nevada.

„Buzz“ Aldrin, der Extrovertierteste unter den drei Crew-Mitgliedern, fand das im Jahr 2002 nicht mehr witzig. Als ein notorischer Leugner der Mondlandung ihn öffentlich dazu zwingen wollte, mit der Hand auf der Bibel zu schwören, dass er auf dem Mond gewesen sei, verlor der damals 72-Jährige die Geduld. Seine ausgestreckte Hand legte er nicht auf die Heilige Schrift, sondern ließ sie krachend auf dem Kinn des Widersachers landen.

Stolz und Interesse

Debatten wie diese können die US-Konkurrenz im All bestenfalls amüsieren. Mindestens vier weitere Staaten interessieren sich für den Planeten, der der Erde am nächsten steht. Neben den Russen investieren Indien und Israel in die Weltraumforschung, vor allem aber China. Nationalstolz und strategisches Interesse sind heute wie damals die treibenden Kräfte.

China hinkt den US-Amerikanern noch hinterher. Im Januar dieses Jahres konnte die Mondsonde „Chang’e 4“ gerade Mal Nahaufnahmen von der fernen Seite des Mondes übermitteln, während gleichzeitig die NASA-Raumsonde „New Horizons“ Bilder des sechs Milliarden Kilometer entfernten Himmelskörpers „Ultima Thule“ zur Erde sendete. Aber China plant langfristig.

Auch US-Präsident Donald Trump will noch einmal zum Mond. Schon 2020 sollen US-Astronauten wieder Fußabdrücke im Mondstaub hinterlassen, berichtete „Politico“ schon kurz nach Trumps Amtsantritt. Spätestens aber 2024 soll es so weit sein, Trumps letztem Amtsjahr, sollte er 2020 wiedergewählt werden.

Das glorreiche Dutzend

Wie für viele US-Präsidenten zuvor geht es für Trump nicht nur um eine Frage des Prestiges, sondern um die Oberhoheit im All. Damit verbunden stellt sich die Machtfrage: Wem gehört der Mond? Anders als in den 1960er Jahren, als die Reise zum kalten Planeten eher im Zeichen des Systemwettbewerbs stand, geht es heute um ökonomischen Kampf, Tourismus und Bodenschätze.

Von den drei Helden von einst machten sich zwei in der Folge ziemlich rar. Armstrong zog sich zurück, und Collins ging lieber angeln als seinen Ruhm zu vermarkten. Nur Aldrin, den alle nur „Buzz“ nannten, weil seine kleine Schwester das Wort Brother (Bruder) nicht richtig aussprechen konnte, meldete sich regelmäßig zu Wort. „Man kann das Leben danach gar nicht richtig aushalten“, resümierte er Jahrzehnte später. Seinen Gemütszustand nach dem Mond-Rendezvous beschrieb er geradezu prosaisch als „Melancholie der erfüllten Aufgabe“.

Was irgendwie auch auf die USA zutrifft. Die Apollo-11-Mission bescherte dem Land den erfolgreichsten nicht-militärischen Sieg gegen die Sowjetunion. Zu allerdings sündhaft teuren Konditionen. Aber das spielte keine Rolle im Kalten Krieg. Nach Armstrong und Aldrin landeten noch fünf weitere US-Raumschiffe auf dem Mond. Insgesamt zwölf Männer hatten Bodenkontakt mit dem Planeten.

1972 ging das Zeitalter der Mondfahrt rapide zu Ende. Es standen keine Mittel mehr für derlei Prestige-Missionen zur Verfügung. Seitdem hat kein US-Amerikaner mehr einen Fuß auf den Mond gesetzt.

20. Juli 1969 50 Jahre Mondlandung

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