Krisenmanagement - In Corona-Zeiten ist Bayerns Ministerpräsident in der ganzen Bundesrepublik präsent Der omnipräsente Markus Söder

Von 
Marco Hadem, Christoph Trost
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Markus Söder nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts. © dpa

München. Nach dem CSU-Vorstand ist es wieder soweit: Je länger die Pressekonferenz von Parteichef Markus Söder dauert, desto mehr kämpft er mit seiner Stimme. Manche Sätze zur Corona-Krise kommen nur noch abgehackt, holprig und kratzig über seine Lippen. Es kostet den bayerischen Ministerpräsidenten am Montag hörbar Kraft, auf alle Fragen zu antworten. Am Nachmittag sagt er dann sogar ein Radiointerview ab. Seine Sprecher in Partei und Staatskanzlei sehen sich sofort mit vielen Anfragen konfrontiert. Doch Söder ist weder erkältet noch ist es etwas Schlimmeres – der 53-Jährige leidet wie Millionen andere an einer Birkenpollen-Allergie.

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Doch wenn Söder fehlt, fällt das auf. Der CSU-Chef scheint in diesen Corona-Wochen in den Medien fast allgegenwärtig – sei es in Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internetportalen, Podcasts, sozialen Netzwerken und selbst People-Magazinen. Söders mediale Strategie setzt nicht nur auf klare Botschaften, sondern auch auf Masse. Praktisch täglich erreichen die Menschen in Deutschland Söders Aussagen: Lockerungen kann es nur langsam und schrittweise geben; auch wenn es schwer fällt, ist die Krise ein Charaktertest; die Folgen der Krise werden Deutschland noch lange beschäftigten.

Kritik hinter den Kulissen

Söder gehört bundesweit derzeit zu den gefragtesten Politikern, täglich prasseln ‘zig Anfragen auf seine Sprecher in Parteizentrale und Staatskanzlei ein. Mediale Präsenz war schon immer ein wesentlicher Baustein in seiner Strategie. Doch längst mehren sich hinter den Kulissen kritische Stimmen, die in der „Omnipräsenz“ ein „Zuviel des Guten“ sehen: „Man kann den Eindruck gewinnen, dass ohne Söder in der Corona-Krise kaum was los wäre“, heißt es etwa. Oder: „Er muss aufpassen, dass er am Ende nicht den Bogen überspannt.“ Lange Pressekonferenzen nach Kabinettssitzungen oder Konferenzen von Bund und Ländern, Koalitionsdebatten in Berlin, Osteransprache, Regierungserklärungen im Landtag und und und. Während sich ganz Deutschland in der Corona-Krise möglichst viel Zuhause aufhalten soll, kennt Söders Krisenmanagement keine Pausen. Das liegt natürlich auch an seinem spezifischen politischen Gewicht. Als CSU-Chef bestimmt er in Berlin den Kurs der großen Koalition mit, als Ministerpräsident ist er verantwortlich für die Koordinierung der Maßnahmen in dem von der Krise besonders betroffenen Bayern, und als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz muss er mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Miteinander von Bund und Ländern koordinieren.

Söder selbst bezeichnet diese Zeit gerne als eine noch nie da gewesene Herausforderung. Seit Wochen arbeitet er täglich von früh morgens bis Mitternacht. Der Osterurlaub wurde ebenso gestrichen wie geplante dienstliche Auslandsreisen. Das zahlt sich aus: Bundesweit genießt er höchste Zustimmungswerte. In einer Insa-Umfrage für den „Focus“ ließ er zuletzt sogar Merkel hinter sich. Glaubt man den Meinungsforschern, darf die CSU in Bayern sogar wieder von Werten knapp unterhalb der 50 Prozentmarke träumen. Doch Söders Zustimmungswerte haben auch Schattenseiten. Sein Koalitionspartner in Bayern, die Freien Wähler, sehen ihre Felle davon schwimmen, zuletzt hing der Haussegen oft schief. Noch eine Baustelle für Söder – solange die Stimme hält. dpa

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