Parteien - Ehemaliger SPD-Mittelstandsbeauftragter aus Worms tritt bei den Liberalen ein / Lindner wirbt um weitere Neumitglieder Der nächste Wechsel: Christ geht zur FDP

Von 
Marco Pecht
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Mannheim/Berlin. Der aus Worms stammende frühere SPD-Mittelstandsbeauftragte Harald Christ ist in die FDP eingetreten. Obwohl er die Entscheidung gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden der Liberalen, Christian Lindner, in Berlin verkündete, will er seiner rheinhessischen Heimat verbunden bleiben: „Ich bin ein großer Fan der Ampel-Koalition in Mainz und trete darum auch in den rheinland-pfälzischen Landesverband ein“, sagte Christ dieser Redaktion.

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Der 48-jährige Kommunikationsberater war im vergangenen Jahr aus der SPD ausgetreten, weil er mit der aus seiner Sicht zu linken Politik um die neuen Vorsitzenden Saskia Esken und Walter Norbert-Borjans nicht einverstanden war. Christ war eigenen Angaben zufolge rund 32 Jahre lang SPD-Mitglied. „Es war jetzt naheliegend, meine Entscheidung von 1989 zu korrigieren“, betonte Christ. Er sei schon damals ein Verfechter einer sozialliberalen Politik gewesen. „Ich habe Helmut Schmidt als Altkanzler sehr verehrt.“

Zögern wegen Thüringen

Die FDP schrieb am Dienstagmorgen im Kurznachrichtendienst Twitter: „Herzlich willkommen bei den Freien Demokraten, lieber Harald Christ.“ Erst vor wenigen Wochen war der ebenfalls aus Rheinland-Pfalz stammende Politiker und ehemalige Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, von der SPD zu den Liberalen gewechselt. Christ betonte: „Wir brauchen eine starke liberale Partei in Deutschland.“ Dazu wolle er unter anderem durch seine Mitarbeit zum Thema Wirtschaft beitragen. Christian Lindner nannte Christ „einen der profiliertesten Wirtschaftspolitiker in Deutschland“ und betonte: „Er verstärkt unser wirtschaftspolitisches Profil und vertieft unsere wirtschaftspolitische Positionierung.“

Er habe Christ gebeten, eine Projektgruppe zu leiten, die für den nächsten Bundesparteitag neue Ideen und Maßnahmen erarbeiten solle für die Verstärkung der Aufstiegschancen in der Gesellschaft zur Sicherung der wirtschaftlichen Situation des Landes. „Der Eintritt von Harald Christ ist auch eine Einladung an andere, es ihm nachzutun“, sagte Lindner.

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Das FDP-Neumitglied räumte ein, dass ihn die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen mit Stimmen von AfD, CDU und FDP nachdenklich gemacht habe. „Ich habe mein ganzes Leben gegen rechts gekämpft. Die AfD ist eben keine Alternative für Deutschland“, unterstrich Christ. Ohne die klare Positionierung Lindners dazu würde er „heute nicht hierstehen“. Die Vorgänge in Thüringen und das schlechte Abschneiden der Liberalen bei der Wahl in Hamburg sei eine Lektion gewesen, aus der die Partei ihre Lehren gezogen habe. Jetzt gelte es, das Führungspersonal zu stärken und keine unnötigen Personaldebatten zu führen. 

Redaktion Seit Oktober 2016 arbeitet Marco Pecht als Nachrichtenredakteur beim "Mannheimer Morgen". Er plant, organisiert und schreibt für den Politikteil der Zeitung. Seine Ausbildung zum Redakteur absolvierte er bei der "Rhein-Zeitung" in Koblenz, wo er auch als Lokalredakteur tätig war. Während seines Politik- und Publizistikstudiums in Mainz schrieb er unter anderem als Autor für die Wochenzeitung "Das Parlament", die "Frankfurter Rundschau" und die "Berliner Zeitung". Die spannende Welt der Nachrichten lernte er als Agenturjournalist bei der Nachrichtenagentur dapd kennen.