Technologie - Anwendung soll helfen, Infektionsketten nachzuvollziehen / Privatsphäre laut Entwicklern sichergestellt Corona-App kommt nächste Woche

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dpa
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Die Corona-App der Bundesregierung wurde von SAP und Telekom entwickelt. Ab nächster Woche kann sie heruntergeladen werden. © dpa

Berlin. Im Kampf gegen das Coronavirus soll die lange geplante staatliche Corona-Warn-App für Smartphones in der kommenden Woche an den Start gehen. Die von SAP und Telekom entwickelte Anwendung soll dann vorgestellt und zum Herunterladen angeboten werden, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag sagte. Der genaue Tag wurde nicht genannt.

Was soll die App in der Corona-Krise leisten?

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Die App kann dazu beitragen, dass Menschen nachträglich darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe infizierter Personen aufgehalten haben. Dabei erfährt man nicht, wer diese Personen waren – und auch nicht, ob man sich aktuell neben infizierten Personen befindet.

Wie funktioniert die App technisch?

Mit der App verwandelt sich ein Smartphone in einen kleinen „Bluetooth-Leuchtturm“, der ständig eine Identifikationsnummer in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfangen kann. Halten sich Nutzer, die die App laufen haben, für eine bestimmte Zeit nebeneinander auf, tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

Gefährdet die App die Privatsphäre der Anwender?

Bei der Programmierung der App wurde ein mehrstufiges Konzept umgesetzt, um einen möglichst hohen Datenschutz zu gewährleisten. Es werden nicht die Identitäten der Anwender ausgetauscht, sondern anonymisierte IDs, die sich mehrfach in der Stunde ändern. Die IDs der Kontaktpersonen werden nicht zentral gespeichert, sondern dezentral auf den jeweiligen Smartphones. Nur die Liste der anonymisierten IDs ist auf einem zentralen Server.

Auf welchen Smartphones kann die Corona-App installiert werden?

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Beim iPhone ist das aktuelle iOS 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Ein iPhone 5, 5S oder 6 reicht nicht. Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier muss zum einen Bluetooth LE unterstützt werden. Das ist ab Android 6 der Fall. Es müssen aber auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste.

Wie viele Menschen müssen die App nutzen, damit der gewünschte Effekt eintritt?

Eine Studie aus Oxford sagt, dass der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr beteiligen. Das wird aber vermutlich nicht zu erreichen sein. Selbst eine populäre App wie WhatsApp hat Jahre gebraucht, um eine so hohe Installationsquote zu erreichen. Aber Experten weisen auch darauf hin, dass jede Installation zählt und Effekte schon bei einer deutlich niedrigeren Quote erreicht werden können. dpa