Religion - Krise um den Kölner Kardinal belastet die ganze katholische Kirche / Austritte wegen des unveröffentlichten Missbrauchs-Gutachtens nehmen zu Bischofskonferenz machtlos im Fall Woelki

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dpa
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Georg (l.), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, begrüßt den Kölner Kardinal Rainer Maria bei der Herbstvollversammlung 2020. © dpa

Bonn. Für eine Maßregelung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki hat die Deutsche Bischofskonferenz keine Kompetenzen. „Wir haben keine Hoheit, über den Kardinal hinweg oder ohne ihn oder an ihm vorbei in dieser Frage auch nur ein Stück weiterzukommen“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Dienstag in Bonn zum Auftakt der dreitägigen Frühjahrsvollversammlung.

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Woelki hat ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Priester in Auftrag gegeben, hält es aber unter Verschluss. Dafür führt er rechtliche Gründe an. Die dadurch entstandene Vertrauenskrise im Erzbistum Köln habe „Auswirkungen auf die ganze katholische Kirche“ und sogar die evangelische Kirche, sagte Bätzing. „Hier gibt es eine Haftungsgemeinschaft, die die Institutionen insgesamt trifft.“

Er selbst nehme Woelki seinen Aufklärungswillen ab, sagte der Limburger Bischof. Die entstandene Unruhe könne er aber genauso verstehen. Er habe Woelki vorgeschlagen, das Gutachten zu veröffentlichen und dann öffentlich darüber zu diskutieren, ob es rechtsfähig und gerecht sei. Darauf sei Woelki aber nicht eingegangen. „Der Kardinal hat seine Entscheidung getroffen, und ich glaube, wir werden jetzt warten müssen bis zum 18. März.“ Dann will Woelki ein neues Gutachten veröffentlichen lassen.

Weitergehend äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. „Wenn eindeutiges Fehlverhalten festgestellt wird, dann ist ein Rücktritt angebracht“, sagte Sternberg der Deutschen Presse-Agentur. „In Köln stellt sich die Frage, ob Rücktritte von Verantwortlichen nicht deshalb nötig sind, weil das Vertrauen bei den eigenen Gläubigen zerstört ist“, sagte Sternberg. „Das ist eine Frage, die in Köln entschieden werden muss. Die Nachrichten, die ich von Gemeinden und Verbänden aus Köln bekomme, zeichnen eine katastrophale Situation. Eine solche Empörung wie dort habe ich persönlich noch niemals erlebt.“ Am Freitag war sogar der Server für die Buchung von Online-Terminen für Kirchenaustritte zusammengebrochen.

Frau als Generalsekretärin

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Die Vollversammlung vollbrachte am Dienstag immerhin zwei Premieren: Erstmals in ihrer Geschichte fand sie online statt, und erstmals wählten die Bischöfe eine Frau zur Generalsekretärin. Die Theologin Beate Gilles folgt in diesem Amt Pater Hans Langendörfer, der nach 24 Jahren in den Ruhestand getreten war. Die 50-Jährige war bisher Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie in Bätzings Bistum Limburg. Sie beschrieb sich auf Nachfrage als Ausdauersportlerin, unverheiratet und kinderlos. dpa