Regierung - Downing Street 10 umfasst mehr als 100 Räume / Johnson zieht in die Residenz nebenan Berühmteste schwarze Tür der Welt

Von 
Katrin Pribyl
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Ein Polizist bewacht in London den Eingang zur Downing Street 10. © dpa

London. Dass Boris Johnson ausgelassen durch den Treppenflur tanzt, entlang der Schwarzweiß-Porträts aller vergangenen Premierminister, die an den gelb gestrichenen Wänden hängen, wie das seinerzeit Hugh Grant in der Liebeskomödie „Tatsächlich... Liebe“ getan hat, gilt als unwahrscheinlich. Zu eingespannt ist der neue britische Premierminister, zu viele Angestellte wuseln unaufhörlich durch das Gebäude an der Seitenstraße von Whitehall.

Premier tauscht Wohnung

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Der Amtssitz 10 Downing Street, die Adresse der Regierungschefs des Königreichs seit fast 300 Jahren, erscheint nur von außen wie ein Reihenhaus. Der bescheidene Eingang zeichne sich durch typisch britisches Understatement aus, heißt es stets, wenn der Vergleich mit Residenzen anderer Regierungschefs gezogen wird. Denn hinter der wohl berühmtesten schwarzen Tür der Welt befindet sich ein Komplex mit mehr als 100 Räumen – Büros, Empfangssäle, private Räumlichkeiten und natürlich das Kabinettszimmer, in dem sich die Minister treffen. Den meisten Menschen bleibt der Blick hinein verwehrt, und das liegt nicht nur daran, dass die Tür kein Schlüsselloch hat und somit nur von innen geöffnet werden kann.

Auch Besucher müssen seit 1986 aus Angst vor terroristischen Anschlägen durch eine Sicherheitskontrolle. Nun ist die Straße durch ein Eisengittertor abgesperrt. Die Tür ist nicht mehr wie ursprünglich aus Eiche, sondern aus Stahl. Ein Bobby, wie die Polizisten mit den glockenförmigen Helmen genannt werden, hält zudem vor der Tür mit dem Klopfer in Form eines Löwenkopfes Wache – und ist mittlerweile vor allem damit beschäftigt, die Katze Larry ins Heim und wieder herauszulassen. Der gefleckte Chef-Mäusefänger der Downing Street streunert seit 2011 im Zentrum der Macht herum, um das Rattenproblem in den alten Gemäuern zu lösen – und das Regierungs-Herrchen, vormals Frauchen, vor politischem Raubwild zu schützen. Bei Theresa May hat es nicht geholfen, jetzt übernahm Boris Johnson die Geschäfte.

Der Konservative will aber nicht im Obergeschoss von Nummer 10 wohnen wie seine Vorgängerin, die kürzlich gestand, sich hier nie wirklich zuhause gefühlt zu haben. Johnson ist jetzt mit seiner Freundin Carrie Symonds nebenan in die Nummer 11 gezogen, seit 1806 die offizielle Residenz des Schatzkanzlers.

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Die Gebäude 10, 11 und 12 sind durch Mauerdurchbrüche verbunden, und es ist mittlerweile üblich, dass Premier und Finanzminister privat die Häuser tauschen. So lebte etwa Tony Blair mit seiner jungen und wachsenden Familie in dem geräumigeren Appartement von Nummer 11, während sein Schatzkanzler Gordon Brown, damals noch Junggeselle, in die kleine Wohnung mit den zwei Schlafzimmern zog.

Korrespondent