Den Haag - Kriegsverbrecher für Mord und Folter verantwortlich Berüchtigter Rebellenchef verurteilt

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epd
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Den Haag. Zum ersten Mal ist am Donnerstag ein Anführer der berüchtigten zentralafrikanischen „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA) wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag befand den ugandischen Rebellenführer Dominic Ongwen für schuldig, unter anderem für Mord, Folter, Plünderungen und mehrere Angriffe auf die Zivilbevölkerung verantwortlich zu sein. Er wurde in 61 von insgesamt 70 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Der etwa 46-Jährige war als Kind verschleppt worden und stieg zu einem Stellvertreter des flüchtigen LRA-Chefs Joseph Kony auf. Das Strafmaß soll Mitte April bekanntgegeben werden.

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Die LRA, die in Zentralafrika für einen christlichen Gottesstaat kämpft, wird für den Tod, die Entführung und Vertreibung von Zehntausenden Menschen verantwortlich gemacht und ist für ihre Brutalität bekannt. Ongwen hatte dem Urteil zufolge mehrere Jahre lang unter anderem Mädchen entführen lassen, die als Sexsklavinnen missbraucht oder mit LRA-Kämpfern zwangsverheiratet wurden. Unter Ongwens Führung wurden laut dem Gericht zudem Flüchtlingslager angegriffen und geplündert.

Keine mildernden Umstände

Dominic Ongwen hat auch Frauen als Sexsklavinnen entführen lassen. © dpa

Das Gericht fand trotz Ongwens Entführung als Kind keine Hinweise auf eine geistige Störung oder Nötigung, die seine Schuldfähigkeit vermindert hätten. Die Verteidigung hatte einen Freispruch für ihn gefordert und argumentiert, der frühere Kindersoldat habe unter Zwang gehandelt. Der Vorsitzende Richter, der deutsche Jurist Bertram Schmitt, sagte bei der Urteilsverkündung, Ongwen habe aus freien Stücken gehandelt. Das Gericht sei von der Schuld des Angeklagten so überzeugt, dass kein Zweifel bestehe.

Menschenrechtler bezeichneten das Urteil als Meilenstein, weil erstmals weltweit ein LRA-Führer verurteilt wurde. Andere sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie auch nach Jahren belangt werden können, so Elise Keppler von Human Rights Watch. Die Internationale Liga für Menschenrechte (FIDH) sprach vom Durchbruch bei der Verfolgung von Sexualverbrechen. 

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