Pandemie - Erst Ende 2021 sollen mehrere Hundert Millionen Dosen verfügbar sein / Zusammenarbeit mit Curevac Bayer will Impfstoff produzieren

Von 
Tobias Blasius
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Blick auf das Werk von Bayer in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen). © dpa

Düsseldorf. Es ist eine Kooperation, die bei der aktuellen Impfstoff-Knappheit nicht wirklich weiterhilft. Dennoch versuchten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) am Montag die bereits Anfang des Jahres bekannt gewordene Kooperation zwischen dem Leverkusener Pharmariesen Bayer und der Tübinger Biotech-Firma Curevac als wegweisend in der Corona-Krise darzustellen. „Es ist etwas Besonderes, was wir heute als Zusage bekommen“, sagte Laschet. Bayer will sein weltweites Netzwerk zur Verfügung stellen, um das Curevac-Präparat herzustellen. Das Problem: Die Tübinger haben es trotz eines Millionen-Investments der Bundesregierung bislang nicht geschafft, einen Impfstoff durch die Zulassungsverfahren zu schleusen. Wenn alles planmäßig verläuft, könnte das auf mRNA basierende Curevac-Präparat frühestens ab Sommer verimpft werden. Mit eigenen Produktionsmitteln könnten die Tübinger bis Jahresende mehrere Hundert Millionen Impfdosen herstellen.

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Der neue Partner Bayer, der bisher nicht im Impfgeschäft aktiv ist, stellt sich darauf ein, erst ab 2022 in Wuppertal weitere 160 Millionen Dosen zu produzieren. Danach könnten es mehr werden.

Hatte die Bundesregierung nicht allen Bürgern ein Impfangebot bis Ende des Sommers 2021 versprochen? „Wir brauchen Impfstoffe über den Sommer hinaus“, so Spahn. Man wisse nicht, wie lange der Schutz halte und wann Auffrischungen nötig seien. Zudem müsse man sich darauf einstellen, dass ein Vakzin mittelfristig an Virusmutationen angepasst werden müsse.

Laschet und Spahn waren bemüht, eine wirtschaftspolitische Botschaft zu senden: Freiwillige Kooperationen seien besser als die immer häufiger geforderte staatlich gelenkte Kommandowirtschaft in der Impf-Notlage. Angesichts heftiger Kritik, der Bund habe bei Curevac aufs „falsche Pferd“ gesetzt, strichen sie den langfristigen Wert des Pharmabündnisses heraus. „Ich möchte, dass Deutschland aus der Pandemie heraus der Standort für die mRNA-Technologie wird“, sagte Spahn. Ähnlich wie die Konkurrenten Biontech und Moderna basiert der Curevac-Impfstoff schließlich auf Boten-RNA – die anderen waren demnach bloß schneller.