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Umweltschutz - In Hanau-Wolfgang werden Samen von Bäumen aufbereitet, was zur Wiederaufforstung beiträgt

Wiege des hessischen Waldes

Von 
Lhe
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Samen und Schalen einer Lärche: Um Saatgut besser verfügbar zu machen, will HessenForst im Forstamt Hanau-Wolfgang eine neue Samendarre bauen. Dort sollen dann noch größere Mengen aufbereitet und gelagert werden als bisher. © Sebastian Gollnow/ dpa

Hanau. Die enormen Waldschäden durch Trockenheit, Sturm und Borkenkäfer stellen Hessens Förster vor eine Mammutaufgabe. Tausende Hektar Schadflächen müssen in den kommenden Jahren wiederaufgeforstet werden, um den Wald als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Holz- und Sauerstofflieferant, aber auch als Erholungsraum zu erhalten. Wo das nicht von selbst durch natürliche Verjüngung geschieht, muss der Mensch nachhelfen und junge Bäume pflanzen. Die Wiege dafür steht in Hanau: In der Samendarre des Landesbetriebs HessenForst in Hanau-Wolfgang werden Samen von Wald-Bäumen gesammelt und aufbereitet, um sie an Baumschulen und andere Forstbetriebe weiterzugeben – oder direkt vor Ort junge Bäumchen daraus zu ziehen. Gerade angesichts der Schäden sei der Bedarf zurzeit riesig, sagt der Technische Leiter der Darre, Lothar Volk.

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Um das Geschäft mit den Samen breiter aufzustellen und auch technisch zu optimieren, planen Volk und Forstamtsleiter Lutz Hofheinz derzeit den Bau einer neuen Samendarre auf dem Gelände. Ausgestattet mit moderner Technik soll sie künftig Baumsamen nicht nur zur Wiederaufforstung hessischer Wälder liefern, sondern könnte auch Forstämter in anderen Bundesländern beliefern oder mit technischen Verfahren aushelfen. Gerade in Norddeutschland hätten Trockenheit und Käferfraß teils noch stärkere Waldschäden als in Hessen angerichtet, sagt Hofheinz.

40 000 Hektar entwaldet

Doch auch hierzulande stehen die Forstleute vor einer enormen Herausforderung: Von den rund 900 000 Hektar Wald im Bundesland gelten rund 40 000 Hektar als komplett entwaldete Schadfläche, wie der Forstamtsleiter sagt. Etwa die Hälfte müsse künstlich wiederbewaldet werden, sagt eine Sprecherin von HessenForst. „Dies wird voraussichtlich zehn Jahre dauern, hängt aber stark davon ab, wie der weitere Verlauf der Schäden ist.“ In jedem Fall werden dafür Millionen Samenkörner nötig sein – pro Hektar Eichenwald braucht es laut Hofheinz rund 6000 bis 8000 Pflänzchen.

Regional passende Baumsamen sind deshalb gefragte Mangelware, wie Volk erklärt. Dazu trägt nicht nur der immense Holz-Hunger aus der Wirtschaft bei, auch die Quellen für das Saatgut sind begrenzt. Denn nach dem sogenannten Forstvermehrungsgutgesetz, das für den Kanon der wichtigsten Waldbaumarten in Deutschland gilt, dürfen nicht von jedem Baum nach Lust und Laune Samen geerntet und im Wald ausgepflanzt werden, sondern nur von Beständen mit besonderer Qualität, die eine Expertenkommission eigens auswählt.

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Nur ungefähr ein Prozent der Waldfläche ist zur Gewinnung von Samen zugelassen – und diese wiederum auch nur zur Verwendung in der jeweiligen Region. „Das heißt, wir müssen das Glück haben, dass in diesen Beständen auch Samen dranhängen“, sagt Volk. Mit der strengen Reglementierung wolle man in diesem naturgemäß sehr langfristig angelegten Geschäft verhindern, dass Bäume, die mit den Umweltbedingungen in der jeweiligen Umgebung gar nicht zurechtkommen, im Wald landen – und dort gegebenenfalls nicht nur minderwertiges Holz liefern, sondern auch das ökologische Gleichgewicht am Standort stören.

„Es ist auch so, dass uns die Bäume nur in gewissen Zyklen Samen schenken“, sagt der Experte. So dürfte es nach einer üppigen Eichel-Ernte im vergangenen Jahr nun zwei, drei Jahre dauern, bis sich Bäume erholt haben, schätzt Volk. „In den Erntejahren spielen wir Eichhörnchen, schaffen das Material zu uns ran, trocknen oder darren es, lagern es ein und können es dann im Idealfall in Nicht-Samenjahren an die Baumschulen ausgeben, damit die kontinuierlich die Forstwirtschaft mit Material versorgen können.“

Genau wie die Landwirtschaft ist die Samendarre dabei sehr vom Wetter abhängig, wie das Beispiel Wildkirsche zeigt: Nach einer „bombastischen Blüte“ im Frühjahr habe man für dieses Jahr auf viele Wildkirsch-Samen gehofft, sagt Volk. Doch dann störten kühle Witterung und häufiger Regen den Insektenflug, so dass die Bäume nur wenige Kirschen ausbildeten. „Das reicht gerade für die Vögelchen aus“, sagt Volk. Ebenso könne auch Hitze und mangelnder Regen im Sommer die Ernte schmälern. In diesem Jahr ist der Experte aber recht zufrieden mit dem Wetter, das neben Hitze auch ordentlich Regen und damit gute Bedingungen für das Baumwachstum und die Baumblüte gebracht habe.

Anpassung an Klimawandel

Das ändert aus Sicht der Forstleute aber an den langfristigen Problemen durch den Klimawandel, der zuletzt vor allem den Fichten und Buchen massiv zusetzte, kaum etwas. So habe der Borkenkäfer die Kältephase im Frühjahr leider gut überstanden und treibe weiter sein Unwesen, sagt Volk. Auch HessenForst-Sprecherin Sundermann betont, wer erfolgreich Wiederaufforstung betreiben wolle, müsse in langen Zeiträumen denken. „Kurzfristig ist die Situation kaum zu bewältigen, dafür fehlen einfach die Ressourcen, wie zum Beispiel ausreichend Pflanzen. Die Stabilisierung der geschädigten Wälder und deren Anpassung an den Klimawandel wird eine Daueraufgabe bleiben. Es wird das Kerngeschäft der aktuellen und folgenden Förstergeneration sein, diesen Waldumbau zu gestalten.“ lhe

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