Corona - Baden-Württemberg erweitert Angebote für Personen ohne Symptome Von den Schnelltests zu mehr Selbsttests

Von 
Peter Reinhardt
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Stuttgart. Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg setzt im Kampf gegen das Coronavirus nun auf kostenlose Schnelltests auch für Menschen ohne Symptome. Das ist das Ergebnis eines Spitzengesprächs in der Stuttgarter Regierungszentrale unter Leitung von Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Der zielgerichtete und systematische Einsatz von Schnelltests ist ein wichtiger Baustein, um ein genaueres Bild von den Mutanten zu erhalten und vulnerable Gruppen besser zu schützen“, sagte er nach dem Treffen.

Im Landkreis Böblingen können sich schon jetzt alle Bewohner zwei Mal die Woche kostenlos auf das Virus testen lassen. © dpa
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Die wichtigsten Fragen zu aktuellen Stand der Vorbereitungen:

Wie will die Landesregierung vorgehen?

Das Land stellt aus den vorhandenen Beständen des Sozialministeriums zunächst vier Millionen Schnelltests für ein leicht zugängliches, wohnortnahes Angebot zur Verfügung. Dies sei eine Übergangslösung, bis die Selbsttests vorhanden sind. In einer zweiten Stufe sollen sieben Millionen Schnelltests der neuen Generation vom Land gekauft werden, die Privatleute ohne fachmännische Anleitung nutzen können. Das Thema werde am kommenden Dienstag Gegenstand der Kabinettssitzung sein.

Wer kommt in den Genuss des neuen Angebots?

„Das Angebot richtet sich vorrangig an Personen, die bislang keinen Anspruch auf kostenlose Tests hatten“, heißt es in den Eckpunkten. Ausdrücklich genannt werden pflegende Angehörige und Menschen, die im privaten oder beruflichen Umfeld viele Kontakte haben. Versorgt sind bereits die 260 000 Erzieher und Lehrer, die ab Montag wieder Präsenzunterricht haben. Sie können sich bei Ärzten oder Apothekern zwei Mal pro Woche testen lassen. Insgesamt hätten bereits jetzt 2,3 Millionen Baden-Württemberger Zugang zu kostenlosen Tests.

Wann ist mit der Zulassung der Selbsttests zu rechnen?

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellt eine baldige Zulassung in Aussicht. Laut Institutssprecher gehe man „auf der Basis der bislang vorliegenden Antragsunterlagen davon aus, dass wir die ersten Sonderzulassungen Anfang März erteilen können“. Bis zu 30 Produkte drängen auf den Markt. Im Gegensatz zu den bisherigen Schnelltests, bei denen das Abstrichstäbchen fachmännisch tief in Nasen- und Rachenraum eingeführt werden muss, reicht ein Abstrich in der Nase von Laienhand. Fachleute halten die neuen Tests bei „hoher Virenlast“ für ebenso sicher wie die bisherigen Antigen-Schnelltests.

Kann Österreich als Vorbild dienen?

Im Nachbarland sind Schulen, Friseure und Geschäfte trotz höherer Ansteckungsraten wieder geöffnet. Dort sind die Selbsttests bereits zugelassen. In dem Land mit acht Millionen Einwohner werden jede Woche 1,5 Millionen Schnelltests vorgenommen, mit steigender Tendenz. In vielen Bereichen gelten negative Befunde inzwischen als Eintrittskarte. Die Apotheken sollen jedem Interessierten bis zu fünf dieser Selbsttests kostenlos pro Monat abgeben.

Wie weit sind die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg?

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Im Landkreis Böblingen wollte man nicht auf die Selbsttests warten. Dort können sich schon jetzt alle Bewohner zwei Mal die Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Um die Wege möglichst kurz zu halten, hat das Landratsamt fünf Schnelltestzentren aufgebaut. „Ziel der Schnelltests ist es, Infizierte ohne Symptome zu erkennen und damit weitere Ansteckungen zu verhindern“, erläutert Landrat Roland Bernhard. Vorreiter war Tübingen.

Welche Aufgaben kommen auf die Kommunen zu?

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CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann, die schon länger mehr anlasslose Tests fordert, sieht nun die Chance für „mögliche Öffnungsschritte“. Dafür sei eine landesweit verfügbare und verlässliche Teststruktur Voraussetzung. Die Kommunen seien für diese Schnelltestzentren zuständig.

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