Tourismus: Oppenheim lockt Reisende mit dem Untergrund der Stadt an Tunnel-Labyrinth als Magnet

Lesedauer: 

Jan Brinkhus

AdUnit urban-intext1

Oppenheim. Dunkel, miefig und feucht - normalerweise eignet sich der Untergrund einer Stadt nicht als Touristen-Magnet. Etwas anders verhält sich das im rheinhessischen Oppenheim: Unter der Altstadt verbirgt sich ein riesiges Tunnelsystem aus dem Mittelalter, das einige Jahrhunderte lang in Vergessenheit geraten war.

Historische Attraktion

Erst als Ende der 1980er Jahren ein Streifenwagen der Polizei durch eine Straßendecke einbrach, entdeckten die Oppenheimer das unterirdische Labyrinth wieder und machten es zugänglich. Als historische Attraktion soll es künftig noch mehr Besucher in das etwa 7000 Seelen zählende Städtchen am Rhein locken.

Rund 450 Meter Keller-Labyrinth sind mittlerweile für Neugierige geöffnet. Das ist aber nur ein kleiner Teil - etwa 1,5 Prozent - des gesamten Systems, schätzt Bergbauingenieur Holger Hessmann. "Stadt Oppenheim Untergrund" steht auf seinem Arbeitsanzug. Der 50-Jährige und sein sechsköpfiges Team sind Angestellte der Stadt und kümmern sich ausschließlich um die Sicherung der unterirdischen Wege. "Wenn man einen Gang ausgräbt, findet man einen neuen", berichtet Hessmann. Das Ende der Arbeiten ist noch lange nicht in Sicht.

AdUnit urban-intext2

Vor wenigen Monaten wurde eine neue Lichtanlage eingebaut, um den Besuchern eine gefahrlose Besichtigung zu ermöglichen, aber auch um Lichteffekte in das Labyrinth zu bringen. Über sieben Etagen erstrecken sich die Gänge unter der Altstadt. Rund 600 verschiedene Keller sind Teil des Oppenheimer Kellerlabyrinths, sechs davon sind in den touristischen Rundgang integriert.

Die rechtliche Situation ist kompliziert, weil hier noch teilweise altes napoleonisches Recht gilt. "Der Gang gehört zu dem Grundstück, von dem er ausgegraben wurde", erläutert Hessmann. Sprich: Der Grundstücksbesitzer müsste eigentlich auch für die Gangsicherung sorgen, was nicht ganz billig ist. "Ein Fass ohne Boden", sagt der Bergbauingenieur. Die Stadt hat sich daher mit den allermeisten Besitzern darauf geeinigt, die Wartung der Tunnel zu übernehmen.