Verbrechen - Innenminister stellt Kriminalstatistik für Baden-Württemberg vor / Corona-Effekt wahrscheinlich Täter verlagern sich ins Digitale

Von 
Michael Schwarz
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Immer mehr Straftaten werden auch in Baden-Württemberg im Internet begangen. © dpa

Stuttgart. Es sind größtenteils gute Zahlen, die Thomas Strobl (CDU) präsentieren kann. Turnusmäßig gibt er als Innenminister des Landes im Februar einen Überblick über die Kriminalitätslage in Baden-Württemberg. Dass Strobl nun wenige Wochen vor der Landtagswahl anhand Zahlen belegen kann, dass sich die Sicherheitslage im Südwesten verbessert hat, dürfte den CDU-Politiker besonders gefreut haben. Doch wie steht es konkret um die Sicherheit in Baden-Württemberg?

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Zunächst ein Blick auf die Straftaten im Allgemeinen: Hier gab es 2020 insgesamt rund 538 500 Delikte – rund sechs Prozent weniger als 2019. Umgerechnet kam es im vergangenen Jahr exakt zu 4852 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Wie bereits berichtet, gab es 2020 mit 4696 Fällen so wenige Einbrüche wie schon lange nicht mehr – laut Strobl der niedrigste Wert seit 1971. Dazu konnte fast jeder vierte Einbruch aufgeklärt werden. So hoch war der Wert laut Innenministerium seit fast 40 Jahren nicht mehr.

Weniger Diebstähle

Mit einem Anteil von etwa 25 Prozent machten die Diebstahlsdelikte den größten Anteil aller Straftaten aus. Sie sind bereits im fünften Jahr in Folge rückläufig. Insgesamt gab es 2020 in Baden-Württemberg rund 135 500 Diebstahlsdelikte – fast 24 000 Fälle weniger als 2019. „Pandemiebedingte Ladenschließungen sowie der Ausfall von Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte oder Volksfeste haben diesen positiven Trend freilich auch beeinflusst“, sagte Strobl.

Dasselbe dürfte auch für Straftaten im öffentlichen Raum gelten, die ebenfalls zurückgegangen sind. Allerdings, so der CDU-Politiker, zeige die Krawallnacht von Stuttgart im Juni vergangenen Jahres, dass man in diesem Bereich nicht nachlassen dürfe.

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Weniger Einbrüche, weniger Diebstähle – wie stark hat das damit zu tun, dass die Gesellschaft im vergangenen Jahr immer wieder in einem soften oder harten Lockdown war? „Die Einschränkungen in der Geschäfts- und Arbeitswelt, insbesondere aber Änderungen im Freizeit- und Kontaktverhalten der Bevölkerung, verändern auch das kriminelle Handeln. Dies wirkt sich auch auf die Kriminalitätslage aus“, so Strobl. Die Verlagerung des Arbeitslebens ins Digitale macht den Hackern hingegen das Leben leichter. Dies zeigt sich auch bei den Zahlen für die Computer- und Internetkriminalität – hier gab es einen Anstieg von rund 35 000 im Jahr 2019 auf zuletzt knapp 40 000 Delikte. Neben dem privaten Bereich seien vor allem die vielen Unternehmen ein attraktives Ziel für Kriminelle, erläuterte Strobl weiter. Eine Zunahme gab es bei der Gewalt gegen Polizeibeamte. 2020 stieg die Zahl der Taten um drei Prozent auf exakt 5151 Fälle. Damit hat die Zahl der Übergriffe gegen Polizisten innerhalb von fünf Jahren um 760 Fälle zugenommen. „Keiner dieser Fälle ist akzeptabel“, so Strobl. Darunter waren mehr als 500 Körperverletzungen.

Ralf Kusterer, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, forderte konsequentere Strafen für die Täter. Eine geringe Zunahme war auch bei der innerfamiliären Gewalt zu verzeichnen – also gegen Partner oder gegen Kinder. Laut Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz habe man bei den Zahlen keine Hinweise darauf, dass es während der Pandemie zu einem signifikanten Anstieg gekommen sei. „Hier können wir keinen Corona-Effekt feststellen“, so Hinz mit Blick darauf, dass die Menschen 2020 viel mehr zu Hause gewesen sind. Zudem hat das Innenministerium auch eine Sondererhebung zur Entwicklung der Suizide in Zeiten der Pandemie gemacht. Strobl: „Hier gab es im vergangenen Jahr ebenfalls keine Auffälligkeiten.“

Korrespondent