Umwelt - Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um 25 Prozent gesunken / Opposition fürchtet Verschlechterung nach der Pandemie Südwesten erreicht selbst gestecktes Klimaziel

Von 
Peter Reinhardt
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Luftfiltersäulen am Straßenrand. Laut Umweltminister Franz Untersteller produzierten die Autofahrer im Land 2020 zwei Millionen Tonnen weniger CO. © dpa

Stuttgart. Umweltminister Franz Untersteller geht davon aus, dass Baden-Württemberg doch noch das für Ende 2020 gesteckte Klimaziel erreicht hat. Der Minister präsentierte dazu selbst erhobene Zahlen, dass die schädlichen Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um 25 Prozent gesunken sind. „Ich bin froh über dieses wichtige Zwischenziel kurz vor meiner Amtsübergabe“, sagte der bei der Landtagswahl nicht mehr kandidierende Grünen-Politiker. Klimaschutz ist das zentrale Thema im Wahlkampf seiner Partei.

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Den Erfolg wollte Untersteller noch selbst melden. Dafür ließ er bei den Energieversorgern und Zementwerken den Schadstoffausstoß abfragen, weil die amtliche Statistik die Bilanz erst viele Monate nach der Landtagswahl liefert. Noch vor zwei Jahren hatte er selbst nicht daran geglaubt, dass Baden-Württemberg das 2013 formulierte Klimaziel erreichen wird. Doch zwei nicht absehbare Entwicklungen haben den Erfolg ermöglicht: Der EU-weite Emissionshandel hat die Steinkohle in der Stromerzeugung so verteuert, dass diese Kraftwerke weniger gelaufen sind und entsprechend weniger C02 in die Luft geblasen haben. Dazu kam die Corona-Krise im vergangenen Jahr, die den besonders klimaschädlichen Flugverkehr zeitweise fast zum Erliegen gebracht hat. Allein daraus resultiere eine Minderung der Klimagase um 600 000 Tonnen. Zwei Millionen Tonnen CO2 ersparten die Autofahrer der Umwelt. Die Schwelle von 66 Millionen Tonnen Treibhausgas sei unterschritten.

Die politische Opposition mag sich darüber nicht freuen. „Einzig die Corona-Krise mit dem damit verbundenen Wirtschaftseinbruch hat die Erreichung der Zielmarke ermöglicht“, relativierte die SPD-Umweltexpertin Gabi Rolland den Erfolg. Es sei zu befürchten, dass schon im nächsten Jahr die Marke wieder gerissen wird. Für den FDP-Abgeordneten Daniel Karrais ist es kein Grund zur Freude, dass die Pandemie und der Lockdown auf dem Weg zum Klimaschutzziel helfen mussten. Er wertete das stattdessen als „Armutszeugnis“ und Beleg dafür, dass die Festschreibung von kleinteiligen Ökozielen Unsinn sei. 2019 habe das Land erst 11,6 der angestrebten 25 Prozent Minderung gegenüber 2019 erreicht gehabt.

Dass Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Ländern und dem Bund schlechter dasteht, erklärte Untersteller mit dem hohen Anteil von CO2-freiem Atomstrom im Südwesten in der Anfangsbilanz. Auch habe es keine veralteten Kraftwerke wie in den Ostländern gegeben, deren Stilllegung die Umweltbilanz aufhübschen konnte. Deshalb sei die Vorgabe von Anfang an pro Einwohner niedriger gewesen. Rolland dagegen verwies auf die hausgemachten Probleme der Landesregierung. Seit Jahren habe das Land so gut wie keine Windstromanlagen gebaut, weil der Agrarminister keine Flächen zur Verfügung stelle und der Umweltminister es mit dem Artenschutz übertreibe.

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Auch Untersteller geht davon aus, dass „wir eine Schippe drauflegen müssen“. Das neue Ziel sei eine CO2-Minderung um 42 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990. Er forderte einen Neustart bei der Windkraft: „So wie es ist, kann es nicht bleiben.“

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart