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 Corona-Folgen - Im Tiefbau laufen die meisten Projekte weiter / Mitarbeiter aus Österreich fehlen und Material wird knapp Straßenbau brummt trotz Krise

Von 
Peter Reinhardt
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Auf den Straßen im Südwesten – wie hier an einer Baustelle bei Freiburg – soll auch während der Corona-Krise gearbeitet werden. © dpa

Stuttgart. Es sind ungewohnte Töne in diesen Tagen, wo weite Teile der Wirtschaft unter den Folgen der Corona-Krise leiden. „Wir haben den Eindruck, dass die Baustellen an den Straßen weitgehend laufen“, freut sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann. Der Grünen-Politiker will dafür sorgen, dass die „Branche gut weiterarbeiten kann“. Nach einem Gespräch mit Vertretern der Bauwirtschaft weiß Hermann aber auch, dass es zunehmend Störungen gibt, weil Mitarbeiter aus dem Ausland fehlen.

Saisonale Schwankungen

  • Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg befindet sich in einer komfortablen Lage. Für Januar meldet die Branche einen leichten Auftragsrückgang von 2,5 Prozent. Der sei aber saisonal zu erklären, betont eine Verbandssprecherin. Nach einem jahrelangen Bauboom sind die Auftragsbücher noch gut gefüllt.
  • Für erste Engpässe sorgt die Corona-Krise bei den Baustoffen. Stahl etwa könnte knapp werden.
  • Hauptgeschäftsführer Thomas Möller bleibt verhalten zuversichtlich: „Im Moment gehen wir davon aus, dass es eine Delle gibt.“ 
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„98 Prozent unserer Baustellen laufen noch“, zeichnet Mathias Waggershauser, der Vizepräsident des Bauwirtschaftsverbandes, ein positives Bild. In den meisten Fällen könnten die durch Reisebeschränkungen entstehenden Lücken noch durch eigenes Personal gestopft werden. Waggershauser: „Mit wenigen Ausnahmen können Baustellen auch unter diesen erschwerten Bedingungen ohne größere Einschränkungen weiterlaufen.“ Der Krankenstand sei aktuell nur leicht erhöht.

Die Baubranche mahnt die Straßenbauverwaltung, „dass die Ausschreibungen kontinuierlich weitergehen“. Aufhebungen mit Verweis auf die Sonderbelastungen durch die Corona-Krise dürfe es nicht geben. Kritisch merkt Fachgruppenleiter Markus Reichl an, dass einige Stadtwerke sich aktuell weigern, neue Baustellen mit Strom und Wasseranschlüssen zu versorgen. Hermann verspricht sofort Abhilfe: „Das was geht, sollten wir unbedingt am Laufen halten.“ Im Straßenbau könnten Beschäftigte die Mindestabstände gut einhalten. Der Gesundheitsschutz gehe immer vor.

Eine Milliarde Investition

Am Geld fehlt es nicht. 220 Millionen Euro will die grün-schwarze Landesregierung im Vorwahljahr in Reparatur und Ausbau der Landesstraßen investieren. Für Projekte bei Bundesstraßen und Autobahnen stehen sogar 800 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir wollen die Ausschreibungen jetzt voranbringen“, betont Hermann.

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„Es wird allerhöchste Zeit“, betont Unternehmer Waggershauser. Ende März sei erst ein Zehntel des Bauvolumens für das laufende Jahr vergeben. Er spricht von einer „Flaute bei den Ausschreibungen“ und vermutet, dass sich da auch die Folgen einer laufenden Verwaltungsreform niederschlagen. Denn Ende des Jahres sollen mehrere Hundert Straßenplaner zur neuen Autobahn GmbH des Bundes wechseln. Die Baubranche hat schon im vergangenen Herbst Alarm geschlagen, nachdem die Auftragsvergabe stark zurückgegangen war. „Wir wollen Einbrüche vermeiden“, verspricht Hermann.

Weil durch den Stillstand weiter Teile der Wirtschaft weniger Autos auf den Straßen sind, können manche Projekte nun sogar leichter realisiert werden. „Wenn weniger Stau ist, kommen die Materiallieferungen besser zu den Baustellen, nennt der Minister einen Vorteil. Man werde versuchen, jetzt gezielt solche Projekte zu starten, die durch leere Straßen besser vorankommen. Da geht es vor allem um sogenannte Flicklose, die Reparatur kleinerer Schäden. Aber dem Vorziehen seien Grenzen gesetzt, weil „die Firmen ja nicht bei Fuß stehen“, bremst Hermann die Erwartungen.

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Besondere Probleme haben Baustellen, die auf Fachleute aus Österreich angewiesen sind, Mineure vor allem. Die könnten aktuell nicht einreisen. Das betrifft zum Beispiel einen Tunnelbau an der Autobahn A8. Besserung erwarten die Firmen entlang des Rheins, weil die Pendler aus dem Elsass mit neuen Passagierscheinen wieder die Grenze passieren dürfen.

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Zurückgeworfen werden Großprojekte im Planungsstadium. Überall, wo die Öffentlichkeit beteiligt werden muss, herrscht jetzt Stillstand. Als Beispiel nennt Hermann eine öffentliche Anhörung für den Ausbau des Albaufstiegs. Auch die öffentliche Auslegung von Unterlagen im Planfeststellungsverfahren sei angesichts der amtlichen Kontaktsperren nicht möglich. Für Hermann ist schon jetzt klar, dass nach der Corona-Krise an dieser Stelle das Planungsrecht geändert werden muss, damit die Behörden die Unterlagen digital auslegen können.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart