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Verkehr - Fahrräder, Arbeitsnischen, Stehlehnen – im Ideenzug denkt die Deutsche Bahn die Bedürfnisse der Pendler-Zukunft voraus

Spielraum in der Platznutzung

Von 
Eva Krafczyk
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Durch die Frontscheibe ist der Innenraum des neuen IdeenzugCity der DB Regio zu sehen, der in einer Halle im Industriegebiet von Geisenheim präsentiert wird. © dpa

Geisenheim. Eben boten die Nischen mit der schmalen Lehne noch einen gewissen Stehkomfort mit etwas Privatsphäre für Pendler. Jeder, der in einem sehr vollen Nahverkehrszug Direktkontakt mit verschwitzten Mitfahrern hatte, weiß so viel Rückzugsfläche zu schätzen. Doch die Nische für die Hauptverkehrszeiten kann am Wochenende zusammengeschoben werden und als Abstellfläche für Fahrräder dienen. Flexibel mobil sein – das ist eines der Themen des in Geisenheim vorgestellten „IdeenzugCity“ der Bahntochter DB Regio. Der Anspruch der Tüftler und Entwickler ist hoch: Bahn- und Pendlerzukunft soll hier vorausgedacht werden.

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DB-Regio Chef Jörg Sandvoß denkt dabei auch an den Kampf gegen den Klimawandel. „Das Klimaproblem ist dringlicher denn je“, betont er. „Wir werden die Klimaziele nur erreichen, wenn der öffentliche Verkehr einen Riesenschritt nach vorne macht.“ Die Mobilitätswende sei im Kampf gegen den Klimawandel wichtig. Und er ist sicher: „Die Metropolen sind der große Schalter für die Mobilitätswende. Es ist nicht die Lüneburger Heide, es sind die Großräume in Rhein-Main, in München, in Hamburg, in Berlin, in denen die Mehrheit der Menschen lebt und der meiste Verkehr entsteht.“

Zuständig für den Nahverkehr

Die DB Regio ist bei der Bahn für den Nahverkehr zuständig. Ihr Ziel ist die Beförderung der Fahrgäste in der Region.

Als hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn wurde sie 1999 gegründet.

Zu den Bestellern der DB-Regio-Züge gehören bundesweit 27 regionale Verkehrsverbünde.

Pro Jahr befördert die DB Regio rund zwei Milliarden Fahrgäste. lhe

Umso wichtiger ist es nach seiner Ansicht, gerade in den großen Metropolregionen, Menschen, die mit dem Auto zwischen Wohnort und Arbeitsplatz pendeln, den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr schmackhaft zu machen. Und nicht nur das: Auch die Kapazitäten müssen geschaffen werden, um zusätzliche Fahrgäste zu befördern. Längere Züge, wo immer das möglich sei, seien dabei ein Instrument. „Wir brauchen intelligentere Platzkonzepte“, betont Sandvoß. „Wie schaffen wir es, in der Hauptverkehrszeit mehr Menschen komfortabel zu befördern?“ Das sei viel mehr als bequem zu sitzen oder einen USB-Anschluss zu haben.

Flexible Platzgestaltung

Vor einigen Jahren ging es bei einem ersten Ideenzug bereits darum, Abteilgestaltungen zu erproben. Diesmal stand das Thema flexibler Platz im Vordergrund. „Wir haben dem Team vollkommene Freiheit gelassen und nur gesagt, wir haben dieses Kapazitätsproblem, lasst euch was einfallen“, sagt Sandvoß.

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Das Entwicklerteam um Projektleiter Carsten Hutzler hat nicht nur Trends und Technologien untersucht, sondern sich auch international umgeschaut – etwa in asiatischen Metropolen. „Wir wollen das Beste aus der Welt zusammentragen und dann mit eigenen Ideen verknüpfen“, sagt Hutzler. „Wir reden permanent mit unseren Fahrgästen, sind in unseren eigenen Produkten unterwegs, stehen in Kontakt mit Beschwerdeteams und Fahrgastbeirat und laden Kunden zu Ideenworkshops ein.“

Der nun als Prototyp angefertigte Ideenzug zeigt Variationen des Themas: mal Stehplätze in Arbeitsnischen mit Display und Laptop-Klapptisch, mal Plätze, die auf Knopfdruck vom Steh- zum Sitzplatz umgewandelt werden. „Verfügbar außerhalb der Stoßzeiten“ heißt es etwa auf diesen Sitzplätzen. In einem anderen Bereich des Zuges kann ein offener Stehplatzbereich in mehrere Sitzreihen umgewandelt werden. Als weitere Option könnten an Tagen mit wenig Verkehrsaufkommen, etwa am Wochenende, zusätzliche Sitzreihen zugunsten von Ausflüglern vor den Türen eingerichtet werden. An Wochentagen, wenn alle Türen gebraucht werden, wäre hier hingegen ein offener Platz.

Auch das Thema Information spielt im Ideenzug eine wichtige Rolle. „Wo ist der Zug voll, wo ist er leer? Wo kommt ein Halt, wo muss ich vielleicht baustellenbedingt anders umsteigen? Die Information gibt es schon während der Fahrt“, sagt Sandvoß und zeigt auf die großen Displays. Dass eine LED-Farbmarkierung zugleich die Farbe der Linie im Netzplan wiedergibt, ist da noch ein zusätzliches Extra, ebenso wie die Wetterangaben im Display oder ein Maskenautomat.

Apropos Masken: „Wir haben einen kompletten Pandemiemodus, etwa mit Plexiglas-Shields, die zwischen Zweiersitzen aufgebaut werden können“, sagt Hutzler. Ein innovativer Luftfilter im Ideenzug steigert das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, während die Beleuchtungssteuerung der Tageszeit angepasst werden kann: Am Abend etwa mit Entspannungswirkung für die Fahrt nach Hause. „Wir wollen der Branche zeigen, was alles machbar ist“, sagt Sandvoß. „Was wir heute sehen, ist für den Nahverkehr ein Quantensprung. Da sind wir wirklich stolz drauf.“ lhe

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