Coronavirus - Bildungsangebote in Hessen sind am Montag gut angelaufen / Gemischte Bilanz nach erster Woche Online-Semester Rückkehr in Schulen mit Lücken

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Schülerin mit Mundschutz im Klassenraum des Gymnasiums Gleichense (Thüringen). Auch in Hessen besuchen Schüler der Abschlussklassen wieder die Schule. © dpa

Wiesbaden. Neue Corona-Regeln zum Wochenstart haben das Bus- und Bahnfahren sowie Einkaufen für alle Hessen verändert – es gilt eine Maskenpflicht. An den Schulen begann sechs Wochen nach den Schließungen eine schrittweise Lockerung – ältere Schüler kehrten unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln in die Klassen zurück. Am ersten Tag der schrittweisen Schulöffnung in Hessen hielten sich die Schüler nach Einschätzung des Kultusministeriums überwiegend diszipliniert an die Corona-Regeln.

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„Aus unserer Sicht ist es gut angelaufen“, sagte ein Ministeriumssprecher. Der schrittweise Neustart des Unterrichts erfolgte nach Einschätzung der Gewerkschaft GEW unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Teils gebe es zum Schutz vor dem Coronavirus sehr gute hygienische und räumliche Voraussetzungen, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Maike Wiedwald. Das sei aber nicht an jeder Schule der Fall. Zunächst kehren die Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen in die Klassen zurück.

Unterdessen haben sich die hessischen Industrie- und Handelskammern für eine schnellere Öffnung der Berufsschulen möglichst für alle Jahrgänge ausgesprochen. „Die hessischen Unternehmen brauchen die qualifizierten Fachkräfte beim erhofften Wiederanlaufen der Wirtschaft, und die jungen Menschen brauchen einen guten Start in ihr Berufsleben“, erklärte der Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK), Eberhard Flammer. Seit Montag dürfen bislang nur die Abschlussklassen die Berufsschulen wieder besuchen. Die Kammern weisen aber darauf hin, dass auch in den vorherigen Ausbildungsjahren bereits abschlussrelevante Prüfungen stattfinden.

Kontaktfreies Türöffnen

Eine Schule in Mittelhessen hat ihre 3D-Drucker angeworfen, um berührungsloses Türöffnen zu ermöglichen. Mithilfe der Drucker seien seit Ende März mehr als 3100 spezielle Haken hergestellt und an Unternehmen oder Bürger verteilt worden, sagte der Leiter des Realschulzweigs der Licher Dietrich-Bonhoeffer-Schule, Roland Mevißen. Zum Unterrichtsbeginn am Montag nach mehrwöchiger Corona-Zwangspause erhielten demnach auch etwa 80 Schüler der Abschlussklassen sowie Lehrer die Haken. Damit lassen sich Türen ohne Hautkontakt öffnen oder Aufzugknöpfe drücken – ein Beitrag zur Hygiene.

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat in der ersten Woche des Online-Semesters an allen hessischen Hochschulen Probleme festgestellt. Dies gelte insbesondere bei den Arbeitszeiten und für Videokonferenzen. „Viele Beschäftigte klagen über die enorm gestiegene Arbeitszeit zur Vorbereitung digitaler Lehre“, sagte Maike Wiedwald, Vorsitzende der GEW Hessen. Besonders Eltern mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter kämen an ihre Belastungsgrenze, wenn sie Lehre, Forschung und Kinderbetreuung vereinbaren müssten.

Enstprechend gemischt fällt denn auch die Bilanz der ersten Woche des Online-Semesters bei Studierenden, Hochschulen, Gewerkschaft und Politik aus. „Manchmal ist einiges noch chaotisch. Wir rechnen aber damit, dass es in den nächsten Wochen besser wird“, sagte Sophie Eltzner, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Kassel am Montag. „Die aufgezeichneten Vorlesungen finden viele fantastisch, weil sie dadurch ihren Tagesrhythmus besser selbst bestimmen können.“

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Die durch die Einschränkungen der Corona-Krise nun zwangsläufig genutzten digitalen Lehrformate könnten wegweisend für die Zukunft werden. „Es bringt die Digitalisierung an den Hochschulen voran. Das kann man nun in der Krise positiv sehen“, meinte Eltzner. Till Jürgens, Öffentlichkeitsreferent des AStA der TU Darmstadt, sieht den digitalen Unterricht noch „in der Findungsphase“. Wie gut es funktioniert, hänge vom Lehrformat ab. In der aktuellen Situation sei das Online-Semester aber „das Beste, was man zurzeit machen“ könne. Diese Corona bedingten Beschränkungen dürften sich aber nicht auf die Regelstudienzeit auswirken. „Das Semester muss als Nicht-Semester gewertet werden“, betonte er.

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Der Goethe-Universität Frankfurt lägen „kaum kritische Anmerkungen zur ersten Woche Digitalstudium seitens der Studierenden und Lehrenden vor“, teilte die Hochschule mit. „Im Gegenteil: Viele spiegeln uns, wie positiv überrascht sie seien, dass ’es’ so gut funktioniere.“ Wo es tatsächlich noch ein wenig ruckeln würde, werde die digitale Infrastruktur (Software, Hardware) seitens des Hochschulrechenzentrums fortwährend verbessert. lhe