Landgericht - 50-Jährige gab sich als Medizinerin aus und betäubte Menschen in einer Klinik / Fünf Patienten starben Prozess gegen falsche Ärztin

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lhe
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Fritzlar/Kassel. Wegen des mehrfachen Mordes, versuchten Mordes und weiterer Vergehen muss sich eine mutmaßliche Hochstaplerin von Mittwoch an vor dem Landgericht Kassel verantworten. Die 50-Jährige soll sich als Ärztin ausgegeben haben und in einer nordhessischen Klinik durch Behandlungsfehler fünf Menschen getötet haben. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

In der Klinik in Fritzlar soll die Angeklagte Patienten betäubt haben. © dpa
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Die Liste der Vorwürfe gegen die Angeklagte ist lang. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem Mord in fünf Fällen in Tateinheit mit unerlaubter Ausübung der Heilkunde vor, versuchten Mord in elf Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung sowie den Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen.

Die heute 50-Jährige war laut Anklage zwischen 2015 und 2018 im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) beschäftigt. Sie hatte sich demnach den Job durch eine gefälschte Zulassung und unter Vortäuschung einer ärztlichen Qualifikation erschlichen. Dabei arbeitete sie unter anderem als Assistenzärztin in der Abteilung für Anästhesie und soll dort mehrfach eigenverantwortlich Patienten betäubt haben - obwohl sie nicht über die nötige Ausbildung verfügte.

„Hierdurch soll es in insgesamt 16 Fällen zu Behandlungsfehlern gekommen sein, wie beispielsweise die fehlerhafte Dosierung der Anästhetika und das Übersehen eines Aspirationsereignisses“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Aspiration ist das Eindringen eines Fremdkörpers in die Atemwege des Patienten. In fünf dieser Fälle seien Patienten aufgrund der Fehlbehandlungen gestorben. In weiteren elf Fällen sollen die Betäubungen Folgeschäden nach sich gezogen haben.

Als Dozentin aufgetreten

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Selbst danach machte die Frau laut Anklage weiter: Unter anderem soll sie durch Betrug ein teures Auto finanziert und Ende 2018 für vier Monate in einer Klinik in Schleswig-Holstein als Reha-Ärztin gearbeitet haben. Die Öffentlichkeit scheute sie nicht. So sei die Frau auch in Nordhessen als freie Dozentin in einer Schule für Gesundheitsberufe aufgetreten und habe die akademischen Titel „Dr. med.“ und „Dr. Dr.“ geführt.

Die Verdächtige hatte die Ermittlungen gegen sich selbst in Rollen gebracht. Sie hatte Selbstanzeige wegen Anstellungsbetrugs gestellt, allerdings ging parallel auch eine Anzeige der Landesärztekammer Hessen ein. Denn die mutmaßliche Betrügerin war bei einem Mitgliedschaftswechsel der Ärztekammer von Hessen nach Schleswig-Holstein aufgeflogen, als ein Mitarbeiter Unstimmigkeiten in der Approbationsurkunde entdeckte.

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Das Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist sieht dem Prozess hoffnungsvoll entgegen: „Es ist gut, dass dieses traurige Kapitel, bei dem Menschen zu Tode gekommen sein sollen und dass der Klinik schweren Schaden zugefügt hat, jetzt aufgearbeitet und abschlossen wird“, erklärte die Klinikleitung.

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Die Angeklagte habe „mit hoher krimineller Energie“ Patienten geschädigt und auch der Reputation des Klinikums Schaden zugefügt. Die Ereignisse seien dazu geeignet, „generell das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten zu erschüttern“. Hinzu komme ein finanzieller Schaden durch zu Unrecht erhaltenes Gehalt und die Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen von über 245 000 Euro.

Es sind zunächst 13 Verhandlungstage bis Ende März angesetzt. Zum Auftakt sollen neben der Anklageverlesung ein Zeuge und ein Sachverständiger gehört werden. lhe