Umwelt - Die Oberweser ist auf den Edersee angewiesen Niedrigwasser bereitet Sorge

Von 
lhe
Lesedauer: 
Märchenfähre Wahlsburg-Lippoldsberg an der Weser. © dpa

Reinhardshagen/Hann.Münden. Der relativ trockene Winter bringt die Schifffahrt auf der Oberweser in eine Ausnahmesituation. Wegen Niedrigwassers muss der Fluss bereits im Januar mit Wasser aus dem nordhessischen Edersee gestützt werden. Das sei für diese Jahreszeit ungewöhnlich, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt im niedersächsischen Hann. Münden. Das Problem: Auch der Edersee ist vergleichsweise leer. Ohne starke Niederschläge könnte sich der Konflikt um das Wasser des Stausees zuspitzen.

AdUnit urban-intext1

Das Wasser ist zum einen für den Tourismus und Wassersport der nordhessischen Ferienregion wichtig. Zum anderen soll es aber auch über Eder und Fulda in die Oberweser fließen. Dort gibt es Fähren, Schiffstransporte und eine touristische Schifffahrt. Daher wird seit Jahren darum gerungen, wie viel Wasser zu welchem Zeitpunkt durch die Staumauer fließt. Der gewohnte Ablauf: Im Winter füllt sich der See. Im Sommer wird das Wasser dann nach und nach abgegeben. Die aktuelle Strategie ist, möglichst lange Wasser im See zu halten. Für die Weser werden dabei niedrigere Pegelstände von 1,15 Metern in Kauf genommen.

2019 noch die doppelte Menge

Doch dieser Sparmodus ist nun schon im Winter nötig. Dabei war der Edersee zuletzt nur zu 35 Prozent gefüllt. Das entsprach rund 70 Millionen Kubikmeter Wasser. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt war es vor einem Jahr die doppelte Menge. An eine Situation wie diese kann sich Rolf-Jürgen Foellmer nicht erinnern. Er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Oberweser/Eder-Diemelsee im niedersächsischen Holzminden. Die Auswirkungen auf den Fährbetrieb sind unübersichtlich – auch weil viele in der Winterpause sind. Wenn der Edersee sich nicht bis Frühjahr fülle, werde die Situation schwierig. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Auch im nordhessischen Reinhardshagen schaut man sorgenvoll auf den Fluss. Im Sommer habe es große Probleme durch die Trockenheit gegeben, sagte Bürgermeister Fred Dettmar (UWG). Die Transport-Kapazitäten hätte wegen des Niedrigwassers reduziert werden müssen. Zuletzt lief der Fährbetrieb dort - auch dank des Edersee-Wassers. Zufriedenstellend sei die Situation aber nicht: «Das Wasser, das jetzt nicht kommt, fehlt uns im Sommer.»

AdUnit urban-intext2

Laut dem hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie fehlten im Dezember rund sieben Prozent der sonst üblichen Regenmengen. Noch deutlicher wird die Trockenheit beim Blick auf das gesamte Jahr 2020. Mit 657 Millimetern habe es 19 Prozent weniger Niederschlag gegeben als im langjährigen Vergleichszeitraum. Es sei in Hessen das dritte zu trockene Jahr in Folge. Ursache für Niedrigwasser war laut dem Landesamt nicht nur der fehlende Regen: Durch die trockenen Vorjahre sei der Zufluss aus Bodenschichten an Gewässer geringer als üblich gewesen. «Inwieweit sich die Gewässer langfristig von der Trockenheit der vergangenen Jahre erholen werden, ist von der zukünftigen Wetterentwicklung abhängig», sagte eine Sprecherin. lhe