Kinderbetreuung: Wie Kommunen und Unternehmen maßgeschneiderte Angebote entwickeln / Rhein-Neckar als Vorbild Netzwerk fängt die Kleinen auf

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Peter Reinhardt

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Stuttgart. Der Gemeindetag Baden-Württemberg fordert ein stärkeres Engagement der Unternehmen in der Kinderbetreuung. "Da sehe ich noch deutlich Luft nach oben", sagte Präsident Roger Kehle gestern in Stuttgart bei einem Kongress über Kinderbetreuung. Maßgeschneiderte Angebote für berufstätige Eltern seien nicht alleinige Aufgabe der Kommunen.

Unter dem Motto "Kinderbetreuung - aber bitte flexibel" präsentierten der Gemeindetag und das Servicebüro "Lokale Bündnisse für Familie" gestern in Stuttgart gelungene Beispiele von Kooperationen der Kommunen mit Unternehmen. Jan Schröder, der Leiter des Servicebüros, nannte die Gemeinde Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis mit ihrem rund um die Uhr erreichbaren mobilen Notfalltelefon. Dahinter stehe ein Helfernetzwerk aus Pflegeeltern, Krankenschwestern und Erziehern. Die Finanzierung stemmen gemeinsam Firmen und die Gemeinde.

Bedarfsgerechte Angebote

Gleich zwei Modellbeispiele für maßgeschneiderte Angebote jenseits der Öffnungszeiten von Regelkindergärten konnte die Metropolregion Rhein-Neckar vorstellen: Die Ferienbetreuung "Deltakids" löst mit pädagogisch betreuten Camps ein zentrales Problem vieler berufstätiger Eltern, die nicht so viel Urlaub haben wie ihre Kinder Schulferien. Shantala Bauer vom Chemiekonzern BASF stellte die betriebseigenen "LuKids-Krippen" für Kinder unter drei Jahren vor. Die sollen Eltern den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Erziehungspause erleichtern.

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Fabia Corzilius-Beckers vom Modeunternehmen Orsay im südbadischen Willstätt sieht viele Vorteile in der Kinderkrippe, die ein Elternverein mit Spenden der Firma betreibt. "Das Angebot spielt bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften eine wichtige Rolle", erklärt sie. Von 6.30 bis 18.30 Uhr steht die Krippe für die Kleinen der Mitarbeiter offen. Etwa 20 Kinder, die meisten unter drei Jahre alt, werden betreut. Größere Kinder dürfen in den Schulferien kommen oder ganz flexibel in Notfällen, wenn zum Beispiel Oma oder Opa durch Krankheit für die Betreuung ausfallen.

Die Gemeinden freuen sich über ein solches Engagement der Firmen. Sie stehen unter Druck, haben sich doch die kommunalen Spitzenverbände verpflichtet, landesweit bis 2014 für 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsangebote aufzubauen. Bisher ist nach Kehles Angaben allerdings erst eine Quote von zwölf Prozent erreicht. "Das Tempo müsste verdoppelt werden", räumt er ein. Deshalb seien vor Ort Kooperationen mit Unternehmen "vernünftig und wichtig".

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Für Kehle haben Bildung und Betreuung einen "sehr hohen Stellenwert im Standortwettbewerb". Dennoch warnt er mit Verweis auf die Krise und drohende Steuerausfälle vor überzogenen Erwartungen: "Wir können nicht so tun, als wäre noch alles so, wie vor einem Jahr."

Bunte Palette

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5200 "Lokale Bündnisse für Familien" in 540 Städten und Gemeinden gibt es inzwischen quer durch die Republik. 5000 Unternehmen seien dabei engagiert, schätzt Experte Schröder. Das Ziel seien stets "passgenaue Lösungen" für den vor Ort vorhandenen Betreuungsbedarf.

"Die qualitativen Ansprüche der Eltern steigen", betont Schröder. Dabei gehe es nicht nur um längere Öffnungszeiten für Berufstätige, sondern auch um inhaltliche Angebote in der frühkindlichen Bildung. Sogar Kooperationen von Kindertagesstätten mit Universitäten gebe es inzwischen. Auf der anderen Seite erstattet in Cottbus ein Kaufhaus seinen Kunden neben der ersten Stunde Parken auch stundenweise die Kinderbetreuung.