Fastnacht - Karnevalisten in Mainz haben sich einiges einfallen lassen, um auch auf Abstand feiern zu können Narrenschiff segelt durchs Netz

Von 
Peter Zschunke
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Wegen der Corona-Pandemie muss ein großes Geschäft für Karnevalsverkleidungen in Mainz geschlossen bleiben. © dpa

Mainz. Das Geschäft mit den Kostümen zum Rosenmontag in Mainz ist geschlossen. Im Schaufenster blickt eine als Clown verkleidete Schaufensterpuppe traurig auf die wenigen Passanten, die dunkel gekleidet durch die verregnete Fußgängerzone eilen. Auf dem Marktplatz oder am Neubrunnenplatz hängen die vierfarbigen Fahnen von Fastnachtsvereinen lustlos an ihren Stangen. „Die Stadt ist leer, es ist trist“, sagt Markus Perabo, früher Zugmarschall beim Rosenmontagszug und jetzt Vorstandssprecher der Mainzer Fastnachtsgenossenschaft.

Letzte Zuflucht Internet

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Aber an den vier tollen Tagen vom kommenden Freitag bis Montag soll trotz alledem Fastnacht gefeiert werden. Adieu Tristesse! „Fastnacht kann man nicht absagen“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) schon im September. Damals gab es noch die Hoffnung auf Sitzungen und Straßenfastnacht unter strengen Hygienebedingungen. Inzwischen ist allerdings klar, dass die Aussage des Mainzer Stadtoberhaupts nur noch für den Kalendereintrag gilt.

„Trotz Corona segelt heiter, das Narrenschiff voll Hoffnung weiter!“ So lautet das Motto dieser schwierigen Kampagne in Mainz. Zu ihrem Auftakt am Neujahrstag wollte eine kleine Gruppe der Ranzengarde das Motto mit Leben erfüllen und mit Abstand für etwas Stimmung sorgen. Die Aktion stieß aber auf so viel Kritik, dass mehrere Garden inzwischen auch die zunächst in Form eines spontanen „Flashmobs“ geplanten Straßen-Auftritte in Uniform abgesagt haben.

Wie in anderen Lebensbereichen auch bleibt als letzte Zuflucht das Internet. „Wir werden das Beste draus machen“, sagt der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins, Reinhard Urban. Besonders bitter für den Verein und Wagenbauer Dieter Wenger ist das Schicksal der traditionellen Motivwagen für den Rosenmontagszug.

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Dass die dreidimensionalen Karikaturen zum Zeitgeschehen diesmal nicht durch die Stadt rollen können, ist schon länger klar. Nun aber wurde auch die stattdessen angedachte Aufstellung auf zentralen Plätzen aufgegeben – aus Sorge, dass sich dann dort zu viele Menschen sammeln könnten. Jetzt werden die zu Monumenten vergrößerten Wagen demnächst im Internet präsentiert: zwei Motivmonumente mit noch nicht bekannten Themen, der zum Narrenschiff vergrößerte Komiteewagen und eine Neugestaltung des Wagens zur historischen Kaiserausstellung in Mainz.

Neben den Fastnachtsendungen des SWR – darunter am kommenden Freitag die neu konzipierte Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ – gibt es an den närrischen Tagen auch Online-Sitzungen der Vereine. Manche übernehmen dabei die Corona-Innovation der Winzer und verbinden das Streaming von Büttenreden und Gesang mit einer Online-Weinprobe. Der Karneval-Club Kastel (KCK) hat dazu für Samstagabend Weine von beiden Ufern des Rheins ausgesucht, aus Rheinhessen und dem Rheingau.

Neue Zielgruppen im Blick

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„Der Wechsel auf die ausschließlich digitale Ebene ist absolutes Neuland“, sagt Markus Perabo von der Fastnachtsgenossenschaft, zu der sich 26 Vereine zusammengeschlossen haben. Für aktive Büttenredner sei es „ein großes Problem, dass sie bei einer so cleanen Veranstaltung keine Zuschauer haben“. Umgekehrt könnten online aber auch andere Zielgruppen erreicht werden. Die Fastnachtsgenossenschaft geht am Rosenmontag mit etwa 20 Beiträgen von bekannten und weniger bekannten Fastnachtern online.

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„Die Sehnsucht nach Freude und Zerstreuung ist groß“, sagt OB Ebling, der sonst selbst in die Bütt steigt und bei den Mombacher „Bohnebeitel“ als „Chef vom Protokoll“ auftritt. Aber ausgelassen geht auch im stillen Kämmerlein.

Und dann blicken die Mainzer Karnevalisten bereits optimistisch aufs kommende Jahr mit der närrischen Jahreszahl 2022. „Ich hoffe, dass wir die Pandemie dann mehr im Griff haben“, sagt MCV-Präsident Urban. „Dann können wir hoffentlich wieder gemeinsam Fastnacht feiern und müssen nicht mehr so viel Distanz haben.“ dpa

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