Pandemie - Bisher kein Hinweis auf schwereren Verlauf Mutation aus Brasilien in Hessen

Von 
Gerhard Kneier
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Wiesbaden. Nach der britischen und der südafrikanischen ist jetzt auch die brasilianische Mutation des Coronavirus erstmals in Hessen nachgewiesen worden. In einem Flugzeug aus dem südamerikanischen Land saß am Donnerstag ein Passagier mit positivem Corana-Testergebnis, wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) gestern in Wiesbaden sagte. Nach der Landung in Frankfurt erhärtete dann ein PCR-Test den Verdacht, dass es sich um die brasilianische Variante des Virus handelt. Offenbar ist dies auch der erste derartige Fall in ganz Deutschland. Dem Sozialministerium ist jedenfalls noch kein weiterer im Bundesgebiet bekannt, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek äußerte sich zu dem neuen Fall. © dpa
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Klose trat bei seiner Pressekonferenz zum Thema Virusmutationen zusammen mit Professorin Sandra Ciesek von der Frankfurter Uniklinik auf, die als anerkannte Expertin auf diesem Gebiet gilt. Nach ihren Angaben können bei Verdacht auf solche Mutationen schon die PCR-Tests weiterhelfen und feststellen, um welche Variante es sich handelt. Sehr viel aufwendiger und langwieriger ist aber die eigentliche Sequenzierung, also die umfassendere Genomanalyse des Virus im Labor. Die könne bis zu einer Woche dauern, in speziell ausgerüsteten Großlaboren klappe es auch schon binnen drei bis vier Tagen.

Deutlich ansteckender

Wegen der hohen Infektiosität der neuen Mutationsvarianten wird es nach den Worten der Medizinprofessorin gleichwohl zu deutlich mehr solcher Untersuchungen kommen müssen. Die am besten erforschte und in Großbritannien und Irland schon sehr verbreitete britische Variante mit der Bezeichnung B 1.1.7 ist laut Ciesek um 30 bis 35 Prozent ansteckender als der sonst in Umlauf befindliche „Wildtyp“ des Coronavirus SARS-CoV-2. Allerdings gebe es bislang keine Erkenntnisse über einen anderen klinischen Verlauf bei der Infektion mit den mutierten Viren. Man werde wohl damit nicht mehr oder weniger krank als sonst. Wie Klose und Ciesek sagten, waren fast allen bislang in Hessen nachgewiesenen Mutationsfällen Auslandsreisen vorausgegangen.

Korrespondent