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Naturschutz - 24 Arten auf Roter Liste / Aufwendige Schutzaktion in Kassel / Wiederansiedlungsprojekt in Felda

Muscheln in Hessens Flüssen stark gefährdet

Von 
Lhe
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In Kassel sind kürzlich tausende Muscheln umgesiedelt worden. © dpa

Wiesbaden/Kassel/Gießen. Wer Muscheln nur im Meer vermutet, der irrt. In Hessens Flüssen und Bächen konnten laut Tanja Berg vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie bislang 27 heimische Muschelarten nachgewiesen werden. „Hiervon gelten jedoch zwischenzeitlich mindestens drei Arten als ausgestorben beziehungsweise verschollen“, sagt die Biologin.

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Neben 18 Kleinmuschelarten gebe es aktuell noch Nachweise von sechs Großmuschelarten. Sie alle sind Berg zufolge auf der Roten Liste gefährdeter Schnecken und Muscheln Hessens zu finden. Gefährdet seien sie zum einen durch Wasserverschmutzung und Überdüngung und zum anderen durch die Zerstörung der Lebensräume durch Gewässerverbau wie Begradigungen und Uferverbau. Zudem seien die Großmuscheln auf bestimmte Fischarten in ihrer Umgebung angewiesen, da ihre Larven einige Zeit parasitisch in Fischkiemen leben. „Querbauwerke, die die Fischwanderung behindern, können sich somit auch nachteilig auf Großmuschelbestände auswirken“, erläutert Berg. Auch Räuber könnten die Bestände beträchtlich verringern.

Darunter leidet die Wasserqualität, denn die Weichtiere erfüllen eine wichtige Funktion. „Flussmuscheln sind wahre Kraftwerke, sie filtern das Wasser“, erklärt Susanne Gilfert, Mitarbeiterin der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. Um sie zu schützen, sind dort kürzlich Tausende Muscheln in einer aufwendigen Aktion umgesiedelt worden. Die Tiere hatten sich auf einer Sandbank im Flussbett der Fulda angesiedelt, die beseitigt wurde, um freie Fahrt für Ruderregatten zu schaffen. Zum Einsatz kam dabei ein schwimmendes Amphibienfahrzeug mit einer speziellen Saugvorrichtung. Die Muscheln landeten so über eine Rohrleitung an anderer Stelle wieder in der Regattastrecke. „Im Vorfeld waren bereits Taucher der Kasseler Berufsfeuerwehr im Einsatz, die Hunderte Muscheln von der Sandbank abgesammelt haben“, erläutert Gilfert.

Komplizierter Entwicklungszyklus

Eine weitere Hürde für die Muscheln ist ihre Fortpflanzung. Die Tiere müssen extrem viele Nachkommen produzieren, denn nur wenige überleben den komplizierten Entwicklungszyklus vom Ei bis zur jungen Muschel. Dem tragen Wiederansiedlungsprojekte in Weil, Emsbach, Dill und Felda Rechnung. Dabei werden im Frühjahr laut Thorsten Haas, Pressesprecher des dortigen Regierungspräsidiums, trächtige Bachmuschelweibchen aus ihrem Heimatbach entnommen und für einige Tage so lange im Labor unter geeigneten Bedingungen gehalten, bis sie ihre Larven abgeben.

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„Parallel dazu werden geeignete Wirtsfische in Strömungsbecken bereitgehalten“, erläutert er. Sobald die Muscheln ihre Larven ausstoßen, würden diese sofort mit den gefangenen Wirtsfischen zusammengebracht, um die Fische dann wenige Wochen später mit den anhaftenden Larven wieder freizulassen. Nach vier bis sechs Wochen entwickelten sich die Glochidien genannten Larven zu Jungmuscheln und fielen vom Fisch ab. Ob die Maßnahmen Erfolg haben, sei erst nach mehreren Jahren zu sehen, wenn die Tiere an Größe gewonnen hätten und auffindbar seien. Ein 2019 durchgeführtes Monitoring habe ergeben, dass die Ansiedlungsmaßnahmen der letzten Jahre im Emsbach sehr erfolgreich waren. lhe

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