AdUnit Billboard
Tourismus

Loreley gesucht

Verbandsgemeinde will Ausflüglern auf ihrem weltberühmten Felsen am Rhein wieder eine Statue bieten

Von 
Jens Albe
Lesedauer: 
Hier, auf dem Loreley-Plateau hoch über dem Rhein bei St. Goarshausen, soll die neue Loreley-Statue platziert werden. © Thomas Frey/dpa

St. Goarshausen. Wo ist die Loreley? Tausende Touristen finden zwar ihren Weg auf das weltberühmte Felsplateau hoch über dem Rhein. Nach einer Statue als sichtbaren Ausdruck der gleichnamigen Sage suchen viele aber vergeblich. Dabei gibt es im Umfeld sogar zwei Loreley-Figuren – und eine dritte soll hinzukommen. Zugleich geht die Schönheitskur bei diesem Herzstück des Welterbes Oberes Mittelrheintal weiter. Dieses erstreckt sich mit der wohl höchsten Burgendichte der Welt von Koblenz bis nach Bingen und Rüdesheim.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Der Sage nach kämmt sich die Zauberin Loreley 132 Meter über dem Rhein ihr güldenes Haar. Damit lockt sie fremde Schiffer gegen die von reißender Strömung umspülten Schieferfelsen in den Tod. Einheimischen Fischern hingegen weist sie den Weg. Seit dem 19. Jahrhundert gilt das Loreley-Plateau bei St. Goarshausen als Inbegriff der Rhein-Romantik. Der Strom zwängt sich hier durch einen nur rund 130 Meter breiten, aber etwa 20 Meter tiefen Engpass.

Bis zum 21. August können die Einwohner der Verbandsgemeinde (VG) Loreley über eine neue Statue abstimmen. Kaum ein anderes Thema werde so emotional unter den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert wie die individuelle Vorstellung von einer neuen Loreley-Statue, teilt die VG mit.

Aus 53 anonym von Künstlern eingereichten Skizzen habe ein Preisgericht zehn Entwürfe zur Ausarbeitung als kleineres Modell ausgewählt und davon drei zur Abstimmung bestimmt. Ein Entwurf mutet traditionell an, ein zweiter abstrakter und ein dritter wie eine dreidimensionale Zeichnung mit wenigen Linien. Im Besucherzentrum der Loreley sind die Modelle in einer eher unauffälligen Vitrine ausgestellt.

Ein Standort weiter hinten

Die neue Statue soll keineswegs an der Spitze des Felsplateaus thronen. Die Geschäftsführerin des Zweckverbands Welterbe Oberes Mittelrheintal, Nadya König-Lehrmann, erklärt: „Das wollen viele, aber nicht alle. Manche sagen, die Spitze des Loreley-Felsens soll für sich stehen.“ Die Statue werde daher weiter zurückgesetzt aufgestellt.

Die erste Loreley-Statue von einem italienischen Künstler hat seit Ende der siebziger Jahre auf dem Felsplateau neben dem inzwischen abgerissenen Berghotel gestanden. Dann ist das tonnenschwere Kunstwerk aus Stein in einen Biergarten auf dem Felsen umgezogen.

Loreley Nummer zwei ziert seit 1983 die Hafenmole von St. Goarshausen. Ihre Vorgeschichte reicht bis 1969 zurück. Hunderte Künstler schicken damals Entwürfe, von einem übergroßen schwebenden BH über einen riesigen Frauenmund bis zu einem gigantischen Frauenbein als Aussichtsturm. Doch es kommt wegen Geldmangels zu keiner Entscheidung.

Später gestaltet die russischstämmige Schwedin Natascha Alexandrova Prinzessin Jusopov, Schülerin eines Schülers des französischen Bildhauers Auguste Rodin, eine nackte Bronze-Loreley und schenkt sie der Stadt St. Goarshausen. VG-Bürgermeister Mike Weiland (SPD) sagt: „Natürlich hätte es nahegelegen, einfach diese Statue hoch aufs Plateau zu hieven. Der Stadtrat von St. Goarshausen legt aber höchsten Wert darauf, sie auf der Mole zu lassen.“

Daher eine künftige dritte Loreley-Statue. Manche finden dieses Projekt zu teuer. Weiland verweist auf Kunstexperten: Demnach seien die veranschlagten rund 107 000 Euro Gesamtkosten angemessen. Andere Kritiker monieren, dass nur Bürger der VG Loreley über die drei Entwürfe abstimmen dürfen, obwohl womöglich das rheinland-pfälzische Innenministerium einen Großteil der anfallenden Kosten begleicht.

Weiland und andere Politiker wollen dem Felsplateau mehr Glanz verleihen. 2015 hat der damalige Mainzer Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (SPD) es als „relativ versifft“ bezeichnet. 2016 hat die naturnahe Umgestaltung des Felsens begonnen. 2019 hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hier den Kultur- und Landschaftspark eröffnet.

Strahlenweg oder Mythenpfad

Verschwunden sind Gebäude und viel Asphalt, hinzugekommen neue Bäume, Sträucher, Bänke und Aussichtspunkte. Besucher erreichen die Felsenspitze mit der guten Aussicht nun auf einem schnurgeraden „Strahlenweg“, den manche als zu breit kritisieren, oder auf einem kurvenreichen „Mythenpfad“.

Noch ist nicht alles fertig. So fehlen noch die Empfangsräume für den Landschaftspark in einem ehemaligen Turnerheim und die „Mythenhalle“ in einer Anhöhe, wie VG-Bürgermeister Weiland erläutert. Der Empfang mit Restaurant soll bis 2023 und die „Mythenhalle“ ein Jahr später fertig sein. Auf 20 bis 25 Millionen Euro beziffert Weiland die Gesamtkosten für die Umgestaltung des Felsplateaus seit 2016. lhe

Mehr zum Thema

Politik

Lucha kritisiert Bund für Finanzierung der Krankenversicherung

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
Flugverkehr

Nach Warnstreik: Lufthansa fliegt wieder im Normalbetrieb

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
Coronavirus

Teil-Impfpflicht: Ämter verhängen bisher keine harten Sanktionen

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1