Corona - 30 Millionen Euro sollen vor allem Freischaffenden, Kinos, Theatern und Open-Air-Veranstaltungen zugute kommen Land schnürt neues Hilfspaket

Von 
Gerhard Kneier
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Wiesbaden. Ein erstes Hilfspaket für die unter der Corona-Pandemie leidenden Kulturschaffenden hat das Land Hessen bereits im vorigen Jahr aufgelegt. Doch zum einen hat es nicht alle Betroffenen erreicht, und zudem ist die Lage sowohl der meist freischaffenden Künstler als auch der Kinos, Theater, Museen und sonstigen Einrichtungen im zweiten Lockdown alles andere als besser geworden. Für Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) und Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) allemal Grund genug, in diesem Jahr ein zweites eigenes Hilfsprogramm aufzulegen.

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Dieses soll zusammen mit dem Förderprogramm des Bundes zwei Ziele erreichen: dass die meist freiberuflich in diesem Bereich Tätigen überleben und die Vielfalt des kulturellen Angebots in Hessen auch nach der Pandemie erhalten bleibt. 30 Millionen Euro lässt sich die Landesregierung das neue Paket kosten. Für das erste waren noch 50 Millionen veranschlagt worden, tatsächlich wurde aber am Ende nur etwas mehr als die Hälfte davon tatsächlich für die Unterstützung der notleidenden Kunst und Kultur ausgegeben. Vor allem für angebotenen Arbeitsstipendien wurden deutlich weniger Anträge gestellt als erwartet.

Niedrigere Zugangshürden

Also nimmt das Land jetzt die übrig gebliebenen 24 Millionen Euro als Grundstock zur Finanzierung des zweiten Pakets und lockert zugleich die strengen Voraussetzungen für die Zahlungen, damit diesmal mehr Kulturschaffende und -anbieter in den Genuss des Geldes kommen. So ist jetzt eine Versicherung bei der Künstlersozialkasse keine Voraussetzung mehr für die Vergabe der Stipendien. Und bei Festivals fließen Fördermittel diesmal auch, wenn sie nicht mindestens drei Tage dauern sollten.

Von dem Geld fließen jetzt jeweils zehn Millionen Euro in drei Säulen des Kulturbetriebs. Erstens gibt es erneut Projektstipendien für Künstler, die wegen Corona keine oder kaum Einnahmen haben. Hinzu kommen zweitens Liquiditätshilfen für Kultureinrichtungen und Spielstätten sowie drittens ein Programm für Open-Air-Veranstaltungen in den Sommermonaten. „Um der Kultur in diesen schwierigen Zeiten Halt zu geben, braucht es einen langen Atem“, sagte Dorn. Nachdem auch der Bund inzwischen gezielte Hilfen für Soloselbstständige angekündigt hat, sollen die Programme zudem dazu beitragen, dass weniger Kulturschaffende als im vorigen Jahr Grundsicherung aus Hartz-IV-Leistungenbeantragen müssen.

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Vier der nunmehr 30 Millionen kommen aus dem kreditfinanzierten Sondervermögen des Landes zur Bewältigung der Corona-Folgen,die restliche zwei Millionen kommen aus nicht abgerufenen Mitteln für Vereinsförderung. Insgesamt sollen jetzt 3600 Stipendien an Kulturschaffende in Höhe von 2500 Euro vergeben werden, für deren Abwicklung die Hessische Kulturstiftung zuständig ist. Die geförderten Projekte sollen innovativ sein, einen inhaltlichen Bezug zur Corona-Pandemie haben oder der Vorbereitung von Kulturangeboten für die Zeit danach dienen. Auch wird Geld für die Beratung der Betroffenen über die Kulturverbände bereitgestellt.

Die zweite Säule des Programms dient der Sicherung von Strukturen des Kulturangebots in Hessen nach der Pandemie. Dabei geht es vor allem um die Sicherung der Liquidität von Theatern, Kinos, Museen und Musikspielstätten, die Mittel zielen also im Kern auf den Ausgleich der coronabedingten Mindereinnahmen ab. Zudem will das Land noch mehr Freiluftveranstaltungen erreichen, die wegen der Pandemie geschlossene oder vom Publikum zum Teil gemiedene in geschlossenen Räumen zumindest in den wärmeren Monaten ein Stück weit kompensieren sollen.

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Unterstützt werden die Erweiterung klassischer Open-Air-Bereiche ebenso wie neue sogenannte Pop-Up-Spielstätten. Der Finanzminister verwies auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur mit über einer Million Beschäftigten in Deutschland und rund 170 Milliarden Euro Umsatz.

Korrespondent