Umwelt - Ministerin Priska Hinz stellt neues Maßnahmenpaket vor Klimaschutz: Hessen legt eine „Schippe drauf“

Von 
Gerhard Kneier
Lesedauer: 

Wiesbaden. Die gute Nachricht ist, dass die schon umgesetzten Maßnahmen des hessischen Klimaschutzplans durchaus Wirkung zeigen. So ging der Ausstoß von Treibhausgasen in Hessen bis 2020 bereits um 29 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zurück. Die schlechte Nachricht ist aber, dass selbst die 140 darin enthaltenen Maßnahmen offenbar nicht ausreichen, um die selbstgesetzten Klimaschutzziele in Hessen zu erreichen.

AdUnit urban-intext1

Für Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), die am Montag die Ergebnisse des Monitorings über die Wirkung des Plans vorstellte, Grund genug, noch einmal „eine Schippe draufzulegen“, wie sie es nennt. Sie stellte ein neues Programm mit 18 weiteren Maßnahmen zum Schutz des Klimas in Hessen vor.

Die Palette reicht von energetischen Sanierungen in Eigenheimen bis zur verstärkten Nutzung von Brauchwasser nicht nur in der Industrie, sondern auch in Wohnsiedlungen. Von den 140 Punkten sind bislang 113 schon umgesetzt worden oder zumindest schon im Gang. Das Öko-Institut sowie das Planungsbüro Bosch und Partner, die das Ministerium mit dem Monitoring beauftragt hatte, haben in den 29 Prozent Reduktion der Treibhausgase die Corona-bedingten Effekte etwa durch vorübergehenden Stillstand oder Produktionsdrosselung aber noch nicht berücksichtigt.

Grünen-Politikerin warnt

Hinz warnt, den Klimaschutz ob der Pandemiebekämpfung nicht zu vernachlässigen. Hitze und Trockenheit schadeten dem Wald und der Landwirtschaft, Starkregen führe immer häufiger zu Überschwemmungen, und der Temperaturanstieg sei auch bedrohlich. So habe die mittlere Temperatur in 18 der vergangenen 20 Jahre über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts gelegen, besonders krass 2018 mit einem Jahresmittel von 10,5 Grad und damit 2,3 Grad wärmer als der Jahrhundert-Durchschnitt.

AdUnit urban-intext2

Die Institute errechneten bis zum Jahr 2025 bei weiterer konsequenter Umsetzung der Klimaschutzgesetze von Bund und Land einen zusätzlichen Rückgang der Treibhausgase um dann insgesamt 36 Prozent. Bis 2030 prognostizieren sie 43 Prozent weniger, was allerdings deutlich hinter dem Ziel des Landes von 55 Prozent zurückbleibt. Für die hessische Umweltministerin ist daher klar: „Wir müssen unsere Anstrengungen deutlich verstärken, wenn wir unsere Klimaschutzziele erreichen wollen.“ Diese sehen bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität vor.

Mehr Homeoffice

Zu dem 18 Punkte umfassenden neuen Maßnahmenpaket gehört ganz wesentlich der Kampf gegen illegale Klimakiller-Gase. Diese fluorierten sogenannten F-Gase sind bis zu 1400 Mal stärker als das schon lange als klimaschädlich bekannte CO2 und wird aus asiatischen Staaten, vor allem China, trotz Verbots per Schiff und Lastwagen importiert und über das Internet zum Verkauf angeboten. Trotzdem fehlte bisher die gesetzliche Grundlage, dagegen wirksam vorzugehen. Diese hat die Bundesregierung nach einer hessischen Initiative im Bundesrat jetzt in Angriff genommen, das Gesetz sieht eine Rückverfolgung der bislang oft verschleierten Belieferung vor und soll voraussichtlich im Spätsommer in Kraft treten. Damit steigen die Chancen, die illegale Verwendung der klimaschädlichen Chemikalie etwa in Kfz-Werkstätten oder in Klimaanlagen einzudämmen.

AdUnit urban-intext3

Zu den weiteren neuen Maßnahmen zum Schutz des Klimas zählen unter anderem die Renaturierung von Mooren als Speicher von Treibhausgasen, 100 nachhaltige Bauernhöfe als Vorbilder, der Ausbau von Ladestationen für Elektroautos, von Last-Fahrrädern, Boden- und Gewässerschutz, bis zu 100 Prozent Förderung für klimagerechte Maßnahmen der Kommunen und die energetische Sanierung von Amts- und Wohngebäuden sowie auch Lernprogramme und Beratung. Aber auch das Umweltministerium selbst will einen Beitrag leisten und beispielsweise noch nach Corona Homeoffice zur Verkehrsentlastung anbieten, Dienstreisen weitgehend auf die Bahn konzentrieren und mehr Fahrradständer aufstellen.

Korrespondent