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Mobilität - In immer mehr hessischen Städten wird der öffentliche Nahverkehr durch moderne, elektrisch betriebene „Ruftaxis“ ergänzt

Kleinbus, per App bestellbar

Von 
Isabell Scheuplein
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Zwei „Hopper“: Im Landkreis Offenbach fahren sie auf Bestellung („On Demand“) und sind Teil des ÖPNVs. © Arne Dedert/ dpa

Mainhausen/Frankfurt. Seniorinnen fahren mit ihm zum Kaffeekränzchen, junge Leute zum Feiern und Berufstätige zum Bahnhof: Der „Hopper“ wird im Osten des Landkreises Offenbach von allen Altersgruppen angefordert. Es handelt sich dabei um geräumige Autos und Kleinbusse mit Fahrer, die zum öffentlichen Nahverkehr zählen und per App oder Telefon herbeigerufen werden können – ohne Fahrplan und ohne festgelegte Linien. Das läuft so gut, dass der „Hopper“ künftig in weiteren Gemeinden im Landkreis unterwegs sein soll.

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Und auch andernorts in Hessen ist ein solches Angebot geplant: Insgesamt 150 auf Bestellung verfügbare Kleinbusse sollen unter dem Dach des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) bis Jahresende in neun weiteren Städten und Kreisen fahren. Als nächstes soll bis Ende September ein On-Demand-Verkehr in Taunusstein, Limburg und Hofheim hinzukommen, ab Anfang Oktober im Norden Frankfurts. Bis Jahresende ist der Start in Hanau, Kelsterbach, Wiesbaden sowie im Landkreis Darmstadt-Dieburg geplant.

ÖPNV-Nutzer fahren günstiger

Durch Darmstadt kreuzt seit April der elektrische, blau-orangene „HeinerLiner“, seit Anfang Juli im gesamten Stadtgebiet. „Besonders beliebt ist die Verbindung zum Darmstädter Hauptbahnhof, viele Menschen nutzen den HeinerLiner also als Zubringer zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln“, erklärt die Darmstädter Verkehrsgesellschaft Heag mobilo. Die Zufriedenheit der Fahrgäste sei hoch: Mehr als 80 Prozent bewerteten ihre Fahrt in der zugehörigen App mit der Maximalanzahl von fünf Sternen.

Das Bundesverkehrsministerium fördert den zunächst bis 2024 angelegten Ausbau in den zehn Gebieten mit 27 Millionen Euro – eine Zusage in schwieriger Zeit. Der Corona-Verlust für 2020 und 2021 im hessischen Nahverkehr wird auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

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Der anvisierte On-Demand-Fahrpreis besteht aus einem Grundtarif von zwei Euro, einem Komfortzuschlag von einem Euro und einer Pauschale von 0,30 Euro pro Kilometer. Günstiger ist die Fahrt für Kinder, Mitfahrer und alle, die ein gültiges ÖPNV-Ticket haben. Kosten sparen soll das sogenannte Ridepooling, dabei werden Fahrten verschiedener Nutzer in gleiche Richtung gebündelt.

Die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) ging mit dem „Hopper“ voran. Der Probebetrieb begann im Juni 2019, die Nachfrage überraschte die Initiatoren. „Hätten wir einen eigenen Duden, müssten wir das Wort „Hopper“ mit aufnehmen, so oft höre ich es hier“, sagt die Erste Kreisbeigeordnete und Aufsichtsratsvorsitzende der kvgOF, Claudia Jäger (CDU).

Im ersten Corona-Jahr 2020 mit reduziertem Platzangebot seien knapp 58 000 Fahrgäste mitgefahren, sagt der Geschäftsführer der kvgOF, Andreas Maatz. Rund 6000 Kunden seien im knapp 45 000 Menschen zählenden Ostkreis registriert. Die Fahrgäste werden an festgelegten Punkten wie Straßenecken abgeholt, die maximal 250 Meter auseinander liegen. Der „Hopper“ fährt an sieben Tagen bis zu 20 Stunden täglich.

Auch Vorbestellung möglich

Lübeck, Hannover, Hamburg: Bundesweit gibt es zahlreiche Modellprojekte, die zeigen sollen, ob und wie sich On-Demand-Verkehr etablieren lässt. Kosten-/Nutzenanalysen liegen dazu noch nicht vor, da sich die Vorhaben noch in der Erprobungsphase befinden, wie der Mobilitätsforscher Jürgen Gies vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu) sagt. Um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern und zu modernisieren, seien die Projekte jedenfalls zu begrüßen: „Es ist positiv, dass neue Erfahrungen gesammelt werden.“

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Mit On Demand könnten Angebote wie Ruftaxis modernisiert werden, so dass etwa in ländlichen Gebieten, in denen wenige Menschen wohnten und die Nachfrage gering sei, attraktivere Angebote entstünden als es heute dort üblich sei, sagt Gies.

In Hessen können die Erfahrungen aus dem Kreis Offenbach den Start in den anderen Städten und Kreisen erleichtern. So sei auf vielfachen Kundenwunsch die Möglichkeit eingeführt worden, den „Hopper“ vorbestellen zu können, sagt der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft, Maatz. Wichtig sei ihnen auch, dass die Fahrzeuge deutlich erkennbar seien – um zu wissen, bei wem man einsteige. Die „Hopper“-Fahrzeuge sind weiß, blau und grün lackiert, es sind Kleinbusse unterwegs und markante englische Taxis.

Es handelt sich um ein Zuschussgeschäft – wie es beim gesamten öffentlichen Nahverkehr der Fall sei, sagt Aufsichtsratschefin Jäger. Doch auch für die Mobilitätswende und den Klimaschutz sei es wichtig, Menschen ohne eigenes Auto ein attraktives Angebot zu machen. So sei der „Hopper“ ein Standortfaktor in der Region geworden.

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