Naturschutz - Bis Ende April darf chemisch behandeltes Saatgut für Zuckerrüben auf die Felder / Sorge vor allem um Wildbienen Imker gegen Zulassung von Blattlaus-Gift

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lrs
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Eine Biene kriecht in einem Bienenstock über die mit Honig gefüllten Waben. Imker wenden sich gegen die Zulassung der Beize von Zuckerrüben-Saatgut. © dpa

Mainz. Die Imker in Rheinland-Pfalz sind empört über die Zulassung eines bienengiftigen Wirkstoffs zur Beize von Zuckerrüben-Saatgut. Der Imkerverband Rheinland-Pfalz kündigte für diese Woche eine Beschwerde bei der EU-Kommission an, da sie in der Notfallzulassung des Wirkstoffs Thiamethoxam durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) „unerlaubte staatliche Beihilfen für die Zuckerwirtschaft“ sieht.

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Thiamethoxam gehört zu den sogenannten Neonicotinoiden, deren Anwendung als Pestizid in der Landwirtschaft weitreichenden Einschränkungen unterliegt – die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Gefahren für Bienen und Hummeln bestätigt. Das Mittel soll die jungen Zuckerrübenpflanzen gegen Blattläuse schützen, die laut BVL „mit ihrer Saugtätigkeit verschiedene Vergilbungsviren übertragen und mit anderen Pflanzenschutzverfahren oder zugelassenen Pflanzenschutzmitteln nicht hinreichend wirksam bekämpft werden können“.

Derzeit gebe es noch keine anderen Wirkstoffe, um Zuckerrüben im Keimungsstadium vor Schadorganismen zu schützen, sagt der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt. „Wir setzen langfristig nicht auf Neonicotinoide – nur im Moment haben wir keine andere Möglichkeit, um des Schädlingsbefalls Herr zu werden.“ So arbeiteten die Züchter mit Hochdruck an der Entwicklung resistenter Zuckerrübensorten. Die Saatgutbeize erfolge mit allen Vorsichts- und Schutzmaßnahmen.

Die Zulassung des behandelten Saatguts ist bis Ende April befristet, für bestimmte Gebiete, in denen mit einem starken Blattlaus-Befall gerechnet wird. In Rheinland-Pfalz sind dies 12 700 Hektar. Auf den Feldern mit dem gebeizten Saatgut dürfen im kommenden Jahr laut BVL keine „bienenattraktiven Pflanzen“ wie Raps oder Sonnenblumen angebaut werden. Blühende Beikräuter sind „bestmöglich zu vermeiden“.

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„Weil Neonicotinoide über mehrere Jahre im Boden bleiben, sind sie sehr persistent“, sagt der 2. Vorsitzende des Imkerverbands, Franz Botens. Das BVL nennt eine Zeit von 74 bis 276 Tagen, innerhalb der die Ausgangskonzentration auf die Hälfte zurückgeht. Die Einhaltung der behördlichen Auflagen sei zudem sehr schwierig –„es gibt immer kleine Beikräuter, die blühen.“ Damit seien alle Bienen gefährdet, die diese Blüten anfliegen, Wildbienen noch in höherem Maße als Honigbienen. Während bei Honigbienen eine Ammenbiene den Futtersaft für die Larven produziert und so als Filter dienen kann, setzen solitäre Wildbienen ihre Eier direkt auf die Pollenklümpchen, die bei einem Einsatz von Pestiziden die bienengiftigen Schadstoffe enthalten können. lrs