Corona I - Vor allem ältere Menschen, die sich jetzt gegen Covid-19 immunisieren lassen, hoffen auf eine Rückkehr zur Normalität Hessens Impfzentren legen los

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Eva Krafczyk
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Die 90-jährige Odores H. unter dem Kuppeldach der Festhalle in Frankfurt. Hier hat seit Dienstag eines von sechs Impfzentren den regulären Betrieb aufgenommen. © dpa

Frankfurt. Als Erste sind am Dienstagmorgen im Frankfurter Impfzentrum zwei über neunzig Jahre alte Damen an der Reihe. Gisela F. (91) und Odores H. (90) gehören zu den rund 500 Menschen, die zum Start des Impfzentrums ihre erste Impfung gegen Covid-19 erhalten. Ihre Kinder hätten ihr zugeredet, sich möglichst schnell impfen zu lassen, räumt Odores H. ein. „Ich hatte schon viele Jahre keine Impfung.“ Aufgeregt sei sie aber nicht.

Ab 9. Februar soll landesweit in 28 Zentren geimpft werden

Nach dem Start der ersten sechs Impfzentren am Dienstag in Hessen soll ab dem 9. Februar in allen 28 Zentren landesweit geimpft werden.

„Wir werden ab dem 9. Februar dann dafür sorgen, dass in allen Impfzentren, in allen 28 Impfzentren, dann auch tatsächlich geimpft wird, damit wir in die Fläche kommen“, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) zum Start der Aktion in Darmstadt.

Beuth sagte, man sei guter Dinge, dass in den nächsten Wochen und Monaten ausreichend Dosen kommen, um dann wirklich Massenimpfungen durchführen zu können.

Neben Darmstadt begann am Dienstag das Impfen auch in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt und Wiesbaden.

In den sechs regionalen Zentren werden seit Dienstag zunächst Menschen in der höchsten Priorisierungsgruppe geimpft. lhe

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Nun hofft sie, dass mit dem Impfschutz vielleicht auch bald wieder mehr Kontakte möglich seien und die Enkel sich trauten, sie zu besuchen. „Zum Glück gibt es ja das Telefon“, sagt die alte Dame. Ein richtiger Besuch sei aber schon etwas anderes. „Meine Enkel sind da sehr vorsichtig, die sagen, ich will nicht schuld sein, wenn die Oma stirbt.“ „Ich möchte endlich wieder meine Urenkel umarmen können“, sagt auch Gisela F. sehnsüchtig, die von ihrer Tochter zum Impftermin begleitet wird. Nachdem sie im vergangenen Jahr einen Schlaganfall erlitten hatte, war sie froh, vor der eigentlichen Impfung noch ein weiteres Arztgespräch über mögliche Nebenwirkungen führen zu können.

500 Menschen zum Auftakt

Als die Ärztin Lathy Ntounta vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) die Nadel in den Oberarm sticht, zuckt die 91-jährige nicht mal zusammen. „Sie haben das sehr gut gemacht“, versichert die Ärztin, die in den kommenden Tagen und Wochen noch viele Male täglich zur Spritze mit dem Impfstoff greifen wird. „Es macht Freude, hier dabei sein zu können“, sagt sie über die Arbeit im Impfzentrum.

Gisela F., für die die jährliche Grippeimpfung eine Selbstverständlichkeit ist, hofft auf eine schnellere Rückkehr zur Normalität, sobald möglichst viele Menschen gegen Covid-19 geimpft sind. Ihren letzten Geburtstag habe sie nicht feiern können. „Aber wenn ich jemandem nicht mal die Hand geben kann, ist das auch kein Geburtstag.“ Die 500 Menschen, die sich am ersten Tag der Arbeit des Impfzentrums impfen lassen konnten, haben „höchste Priorität“ – Menschen, die älter als 80 sind, aber auch solche, die im medizinischen oder pflegerischen Bereich arbeiten oder mit einem besonderen Infektionsrisiko.

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Bis zum 8. Februar seien täglich etwa tausend Impfungen geplant, berichtet Benedikt Hart, der Leiter des Impfzentrums. Sobald genug Impfstoff vorhanden ist, können den Angaben zufolge bis zu 4000 Menschen pro Tag geimpft werden. Insgesamt 60 000 Termine waren in einem ersten Schritt online oder telefonisch für ganz Hessen vergeben worden. René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, hofft, dass mit der Impfung gerade von Menschen der Risikogruppen für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion eine Entspannung näher rückt. Man muss auch auf die Krankenhäuser schauen mit ihrer Auslastung und auf die Intensivkapazitäten. „Da gehen die Zahlen erfreulicherweise nach unten“. lhe