Impfkampagne - Jetzt können sich auch Menschen ab 70 Jahren sowie alle der Gruppe 2 für einen Termin anmelden Hessen legt einen Zahn zu

Von 
Gerhard Kneier
Lesedauer: 
Eine Seniorin bekommt im Impfzentrum des Landkreises Kassel ihre Impfung gegen Covid-19 verabreicht. In Hessen startet die Anmeldung zur Coronaimpfung für die zweite Impfgruppe. © dpa

Wiesbaden. Bei seiner Impfkampagne geht Hessen jetzt in die Vollen: Seit Dienstag können sich nun auch die Menschen im Alter ab 70 Jahren sowie alle anderen Angehörigen der Gruppe mit der zweithöchsten Priorität für einen Termin in den 28 regionalen Impfzentren anmelden. Innenminister Peter Beuth (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne), die den Start gestern in Wiesbaden verkündeten, rechnen allein aus dieser Gruppe mit rund 1,5 Millionen Anspruchsberechtigten. Von den über 80-Jährigen sind inzwischen schon drei Viertel geimpft oder haben zumindest einen Termin dafür bekommen.

AdUnit urban-intext1

Grund dafür, dass jetzt bei den Impfterminen ein Zahn zugelegt werden kann, ist die wachsende Verfügbarkeit von Impfstoff in Hessen, der zu Beginn der Kampagne am 27. Dezember und danach zunächst noch ausgesprochen knapp war. Das liegt zum einen daran, dass mit dem Serum des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca inzwischen ein weiterer Impfstoff zugelassen wurde. Der wird allerdings weiter nur bis zu 64 Jahre alten Menschen verabreicht, weil er in höheren Altersgruppen als noch nicht ausreichend erprobt gilt. Für ältere Impfwillige stehen weiter die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung. Auch davon ist Nachschub in Sicht, allein von Biontech bis Ende März rund 75 000 Dosen mehr als zunächst geplant.

Umbuchungen möglich

Was auch dazu beiträgt, dass jetzt wesentlich mehr Menschen geimpft werden können, ist, dass der Bund seine Empfehlung, die Hälfte des Impfstoffs für die nach einigen Wochen erforderliche Zweitimpfung zurückzuhalten, auf nur noch 20 bis 25 Prozent gesenkt hat.

Außerdem ist die Impfkampagne bei der bislang allein anspruchsberechtigten ersten Prioritätsgruppe gut aufgenommen worden. Beuth und Klose sprechen von bislang rund 350 000 Impfungen in Hessen, darunter 234 000 Erst- und 113 000 Zweitimpfungen. In den Alten-und Pflegeheimen seien bereits 81 Prozent geimpft worden.

AdUnit urban-intext2

Zu den Menschen aus der Gruppe mit Priorität 2, die sich seit gestern ebenfalls registrieren lassen können, gehören vor allem die 70- bis 79-Jährigen. Hinzu kommen Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, die daher als Risikogruppen gelten. Das sind zum Beispiel verschiedene Lungenerkrankungen, Demenz, Trisomie 21 oder schwere psychische Erkrankungen. Außerdem gehören etwa Ärzte und ihr medizinisches Personal sowie neu auch Erzieherinnen und Erzieher in Kitas sowie Grund- und Förderschullehrer zu den jetzt Anspruchsberechtigten der Gruppe 2. Die Ersten von ihnen sollen schon ab Freitag kommender Woche geimpft werden. Noch früher kommen niedergelassene Ärzte und ihre Angestellten an die Reihe, für die bereits an diesem Wochenende sowie dem Samstag und Sonntag darauf sogenannte Praxistage mit Impfungen in den 28 Regionalzentren anberaumt wurden.

Dafür wird der Impfstoff von Astrazeneca eingesetzt, der ansonsten noch hauptsächlich Rettungssanitätern und mobilen Pflegekräften vorbehalten ist. Klose betonte noch einmal die hohe Wirksamkeit des Mittels, die besser sei als bei manchen Grippe-Impfstoffen.

AdUnit urban-intext3

Die Anmeldung zur Impfung erfolgt auch bei den neu zugelassenen Menschen weiter über die Telefon-Hotlines oder das entsprechende Internetportal. Im Unterschied zum bisherigen Verfahren werden dann aber den Betroffenen Impftermine zugewiesen und per Mail oder Brief mitgeteilt. Umbuchungen oder ein Wechsel zu Paarterminen sind jedoch weiter möglich. Mit Wartezeiten müsse aber weiter gerechnet werden, hieß es.

AdUnit urban-intext4

Es komme jedoch nicht darauf an, wann jemand anrufe. Vielmehr weise die Software die Termine zum einen nach Alter von oben nach unten zu, also die 79-Jährigen zuerst und die 70-Jährigen zuletzt. Bei den anderen Impfberechtigten erfolgt die Terminvergabe nach dem Zufallsprinzip. Die Software sorge dafür, dass die über 80 Jahre alten Menschen bei jetzt noch eingehenden Anmeldungen vor den ab 70-Jährigen Impftermine erhalten.

Korrespondent