Pandemie - Corona-Koordinator Axel Wintermeyer sieht geplante Öffnungsschritte wegen der Virus-Mutationen gefährdet Hessen bleibt vorsichtig

Von 
Gerhard Kneier
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Das Land Hessen will sich für die Zulassung eines erweiterten „Click-and-Collect“-Modells einsetzen. Kunden könnten dann bestellte Ware beim Abholen in den Kaufhäusern auch anprobieren. © dpa

Wiesbaden. Wegen der sich ausbreitenden Virusmutationen bleibt die hessische Landesregierung bei ihrem vorsichtigen Kurs in der Corona-Politik. Der Chef der Staatskanzlei in Wiesbaden und Corona-Koordinator des Kabinetts, Axel Wintermeyer, stellt für die nächste Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 3. März zwar Beratungen über konkrete Schritte zur Lockerung der Kontaktbeschränkungen in Aussicht. Dabei solle aber in der Regel kein konkreter Zeitpunkt für die einzelnen Vorhaben vereinbart werden, fügt der CDU-Politiker im Gespräch mit dieser Redaktion hinzu.

Axel Wintermeyer



CDU-Politiker Axel Wintermeyer (Bild) ist seit 2010 Chef der hessischen Staatskanzlei im Ministerrang. Der 61-jährige Abgeordnete aus dem Main-Taunus-Kreis ist damit im Kabinett einer der engsten Mitarbeiter von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), den er auch schon einmal in der Schaltrunde der Länderregierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vertreten hat.

Als Corona-Koordinator bereitet er auch regelmäßig die Konferenzen der Ministerpräsidenten vor. kn (Bild: dpa)

Angst vor der Mutante

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Die schnelle Verbreitung vor allem der britischen Virusmutation B.1.1.7 könnte geplante Öffnungsschritte wieder in Frage stellen, warnt Wintermeyer, der die Länderrunden zu Corona für Hessen maßgeblich mit vorbereitet. Er verweist dabei ausdrücklich auf den Kreis Bergstraße, in dem diese Variante bereits ein Drittel der Neuinfektionen ausmache. „Wir müssen weiter durchhalten, um schrittweise wieder zu Normalität zu kommen“, betont der hessische Staatsminister. Als Hauptaufgabe nennt er, eine große dritte Welle zu verhindern, die die bisher erzielten Erfolge zunichtemache. Dennoch ist Wintermeyer aber „ganz sicher: Wir werden in der nächsten Länderkonferenz konkret über Öffnungsschritte und Pläne sprechen, auch wenn wir vielfach noch keine festen Daten vereinbaren können.“

Nach seinen Worten wird sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) aber voraussichtlich erneut für die Zulassung eines „Click-and-Collect“-Modells im Einzelhandel einsetzen. Dann könnten Kunden bestellte Ware beim Abholen in den Kaufhäusern auch anprobieren. Für den Vorstoß gab es laut Wintermeyer in der Februar-Schaltkonferenz noch keine Mehrheit. „Ich gehe aber davon aus, dass wir das in der nächsten Schaltkonferenz am 3. März erneut vorschlagen werden“, fügte der Chef der hessischen Staatskanzlei hinzu. Ein solch gesteuerter Zugang zu den Geschäften sei „besser, als wenn gleich Tausende Menschen vor den Warenhäusern stehen“.

Die Landesregierung werde bei dem unkalkulierbaren Virus nicht von ihrer vorsichtigen Linie abgehen. Es gebe jetzt bestenfalls eine Stagnation bei den Inzidenzwerten. Wintermeyer weist darauf hin, dass die Inzidenz-Zahl in Hessen von 200 auf Mitte 50 zurückgegangen, am Sonntag aber wieder auf 60 gestiegen sei. Auch am Montag lag sie mit 59,7 kaum darunter. Der Anstieg am Wochenende, wenn in der Regel nur unvollständige Zahlen vorliegen, hat die Landesregierung alarmiert. Man müsse abwarten, wie die Inzidenz (Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner) in der ersten Märzwoche sein werde, sagt der Corona-Koordinator. Der Föderalismus habe sich in der Krise „extrem bewährt“. Die Länderrunde berücksichtige regionale Unterschiede.

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Nach seinen Worten arbeitet das Land Hessen mit Hochdruck daran, Selbsttests auf das Coronavirus möglichst schnell zum Einsatz zu bringen. Er erwarte dafür in den nächsten Wochen die Freigabe durch die Bundesbehörden. Derzeit würden verschiedene Modelle mit den Kommunen diskutiert. „Das kann über die Apotheken laufen, über Ärzte oder über die örtlichen Testzentren.“ Denkbar sei auch die Ausgabe von Selbsttests durch Arbeitgeber oder in den Schulen.

Korrespondent