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Energie-Krise

Heizung runter im Hörsaal

Hochschulen im Land bereiten Einsparmaßnahmen vor – auch für Wohnheime und Mensen

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lhe
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Weniger beheizt, länger geschlossen, kürzer beleuchtet – für Studenten wird es im Wintersemester voraussichtlich Einschränkungen an den Unis geben. © Uwe Zucchi/dpa

Darmstadt/Gießen/Frankfurt. Weniger heizen, keine Geräte auf Standby und Licht aus: Hessens Hochschulen überlegen, wie sie im kommenden Wintersemester Energie sparen können. So hat etwa die Justus-Liebig-Universität (JLU) in Gießen ein erstes Maßnahmenpaket beschlossen, um der drohenden Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges im Herbst und Winter entgegenzuwirken.

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Nach Angaben der mittelhessischen Uni sollen die Zeiten der Labornutzung angepasst, Außenbereiche auf dem Campus kürzer beleuchtet und Lehrräume „deutlich zurückhaltender“ beheizt oder gekühlt werden. Außerdem werde die Universität in diesem Winter nicht nur zwischen den Jahren, sondern auch in der ersten Januarwoche geschlossen bleiben.

„Ganze Gebäude stilllegen“

Hessens Hochschulen

An Hessens Hochschulen gibt es knapp 263 000 Studierende. Mit mehr als 40 000 Eingeschriebenen ist die Goethe-Universität Frankfurt die größte Hochschule im Land.

Danach folgen die Justus-Liebig-Universität Gießen mit etwa 27 000 Studierenden und die Technische Universität (TU) Darmstadt, an der knapp 25 000 Menschen studieren.

Insgesamt gibt es in Hessen laut Statistischem Landesamt sieben Universitäten, sechs theologische Hochschulen, drei Kunsthochschulen, 16 Fachhochschulen und sechs Verwaltungsfachhochschulen. lhe

„Wir hoffen, mit dieser Maßnahme ganze Gebäude für diese überschaubare Zeitspanne stilllegen zu können“, sagte eine Sprecherin. Wegen der steigenden Energiepreise die Universität auch außerhalb der vorlesungsfreien Zeit ganz oder teilweise zu schließen, plane man in Gießen allerdings nicht: „Die digitale Lehre hat ihre Grenzen, und wir halten es für falsch, das Energieproblem in den privaten Bereich zu verlagern – weder zu den Beschäftigten noch zu der finanziell schwächsten Gruppe an der JLU, den Studierenden“.

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An der Fachhochschule University of Applied Sciences in Frankfurt wäre sogar die Verlängerung der Weihnachtspause für Studierende und eine dementsprechend längere Vorlesungszeit im Frühjahr 2023 denkbar, erklärte eine Sprecherin. Mitarbeitende habe man schon jetzt dazu aufgefordert, Licht bei längerer Abwesenheit auszuschalten sowie Laptops, Drucker und Kopierer nicht im Standby-Modus zu lassen.

Die Technische Universität in Darmstadt hat eine eigene Task Force „Energie“ eingerichtet, um unterschiedliche Einsparmöglichkeiten auszuarbeiten, erklärte ein Sprecher. In der Versorgung sehe man allerdings noch kein akutes Problem, da bestehende Verträge noch bis zum Ende des Jahres laufen würden. „Wir richten uns aber auf Lieferengpässe und Preissteigerungen ein“, so der TU-Sprecher.

Auch die Philipps-Universität in Marburg beschäftige sich intensiv mit der Frage, wie der Uni-Betrieb auch mit weniger Energieverbrauch funktionieren kann. Weniger klimatisieren und heizen liegt auch in Marburg auf der Hand – darüber hinaus überlege man unter anderem auch, die Raumplanung für die Lehrveranstaltungen anzupassen, erklärte eine Sprecherin. Für den Fall, dass das Gas tatsächlich knapp werden sollte, erarbeite die Uni Notfallpläne, die kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren, Tierhaltung und Labore mit erhöhten Sicherheitsanforderungen absichere.

Die Studentenwerke, die Mensen und Wohnheime betreiben, beobachten ebenfalls die Lage genau, auch mit Blick auf die Folgen der Preissteigerungen im Energiebereich. Ob es für Studierende teurer wird oder sie mit weniger Heizungswärme klar kommen müssen, ist aber noch offen.

„Aktuell stehen keine Änderungen unserer Leistungen für Studierende aufgrund der Energiekrise im Raum“, heißt es etwa beim Gießener Studentenwerk. „Wir beobachten die bundes- und vor allem hessenweit diskutierten Erwägungen zu möglichen Einschränkungen in der Hochschullandschaft natürlich sehr genau und durchaus mit Sorge“, teilte eine Sprecherin mit. „Sollte es zu Teil-Schließungen kommen, wären davon unter Umständen auch unsere gastronomischen Einrichtungen betroffen.“ Bereits seit Jahren würden Studierende in den Wohnheimen zum Energiesparen motiviert, man wolle diesen auch weiterhin Energiespartipps über die unterschiedlichsten Kanäle an die Hand geben.

„Was die Beheizung der Wohnheime betrifft, kann man eine vertretbare Absenkung momentan nicht ausschließen.“ Das teilte eine Sprecherin des Studentenwerks Frankfurt mit Blick auf den Herbst und Winter mit. Möglicherweise muss die Einrichtung auch an der Preisschraube drehen: „Steigende Energiekosten, Umsatzeinbrüche im Zuge der pandemiebedingten Mensa-Schließungen sowie die Auswirkungen einer immer noch vergleichsweise geringen Präsenz der Studierenden an den Hochschulen erfordern eine Verbesserung der Einnahmesituation“, erläuterte die Sprecherin.

Appell an Bund und Länder

„Gleichzeitig schlagen höhere Kosten beim Wareneinsatz durch steigende Einkaufspreise zu Buche. Etwaige Erhöhungen der Preise und Mieten sowie der Sozialbeiträge werden derzeit geprüft und vorbereitet, um dies im Herbst 2022 in unserem Verwaltungsrat beraten und entscheiden zu können.“ Klar sei: „Bei alledem werden wir darauf achten, dass unsere Leistungen für Studierende weiterhin sozialverträglich bleiben und damit ein bezahlbares Studium ermöglicht wird.“

Das Deutsche Studentenwerk und die Hochschulrektorenkonferenz hatten bereits im Juli an Bund und Länder appelliert, dafür Sorge zu tragen, dass der Hochschulbetrieb und die sozialen Angebote im kommenden Wintersemester auch bei einer möglichen Energie- und Gasknappheit grundsätzlich aufrechterhalten werden können. „Die rund 2,9 Millionen Studierenden müssen zudem bei möglichen staatlichen Hilfen gegen Inflation und Energiepreis-Krise unbedingt berücksichtigt werden“, forderten die beiden Einrichtungen in ihrer gemeinsamen Mitteilung. lhe

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