Corona-Krise - Kirchen entwickeln Schutzkonzepte für Besucher / Kretschmann kündigt Gespräche an Gemeinsame Gottesdienste Anfang Mai

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Peter Reinhardt
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Ganz leere Kirchen – wie auf diesem Bild in Karlsruhe soll es in den nächsten Wochen in Baden-Württemberg nicht mehr geben. © dpa

Stuttgart. In Baden-Württemberg sollen die Religionsgemeinschaften ab Anfang Mai wieder gemeinsame Gottesdienste feiern dürfen. „Wir können sicher zusagen, dass wir in 14 Tagen eine Öffnung machen werden“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag nach der Sitzung des Ministerrates. Bis Ende der Woche wollen er und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) mit den christlichen Kirchen, den islamischen und jüdischen Religionsgemeinschaften die Konditionen für die Versammlung von Gläubigen festlegen. Gemeinsames Singen bleibt möglicherweise bis auf weiteres untersagt.

15 Besucher

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„Gottesdienste sind ein besonders problematischer Bereich“, sagte Kretschmann. Da kämen sehr viele ältere Menschen zusammen, es werde viel gesungen und die Gläubigen seien lange beisammen. Singen gilt als gefährlich, weil dabei jene Tröpfchen ausgestoßen werden, über die Corona-Kranke die Infektion weitergeben. Seit 16. März sind Zusammenkünfte in Kirchen, Synagogen und Moscheen untersagt. Die Kirchen Drängen darauf, dass öffentliche Gottesdienste wieder erlaubt werden. Das Bundesverfassungsgericht hatte zuletzt am 13. April entschieden, dass während der Corona-Pandemie der Gesundheitsschutz Vorrang vor dem Grundrecht der freien Religionsausübung hat. Die Abwägung müsse aber ständig überprüft werden.

Als erstes Bundesland hat Sachsen das Kirchenverbot gelockert. Seit Montag dieser Woche sind dort Gottesdienste mit höchstens 15 Besuchern wieder zugelassen. Eine Rückkehr zur Normalität erwartet Bischof Jochen Cornelius-Bundschuh auch in der Evangelischen Landeskirche in Baden bis auf weiteres nicht. Gemeinsames Singen hält er für nicht möglich, um die Ausbreitung des Virus zu hemmen. Solo-Sänger könnten eine Alternative sein. In den Bänken müsse der Sicherheitsabstand eingehalten werden. Auch Ein- und Ausgänge könnten getrennt werden.

Auf katholischer Seite will man sich noch nicht festlegen. „Wir sind dabei, Vorschläge zu erarbeiten und mit der Landesregierung abzustimmen“, sagte ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf Anfrage. Grundlage sei das Arbeitspapier, das die Deutsche Bischofskonferenz mit dem Bundesinnenministerium formuliert hat.

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„Schrittweise und mit Augenmaß“ will Eisenmann das Feiern von Gottesdiensten wieder zulassen. Es gehe jetzt um Regeln zur Einhaltung der Hygienevorschriften. Kretschmann machte deutlich, dass es auch bei Trauerfeiern weiterhin Einschränkungen geben wird: „Dass bei einer Beerdigung 150 Menschen sind, geht nicht.“

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