Coronavirus - Restaurants müssen wegen Pandemie geschlossen bleiben / Betreiber in Gießen behelfen sich mit Internetplattform und neuen Ideen Gastronomen stellen auf Lieferdienst um

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Carolin Eckenfels
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Ein Mitarbeiter eines Gießener Burger-Restaurants bringt mit einem Lastenfahrrad Essen zu Kunden. © dpa

Gießen. Die Tresen und Tische sind verwaist, doch in einigen hessischen Restaurantküchen geht es trotz Corona-Schließung heiß her. Quasi über Nacht sind zahlreiche Gastronomen ins Liefergeschäft eingestiegen, um ihre Existenzen zu sichern, jetzt, da sie keine Gäste mehr in ihren Lokalen bewirten dürfen.

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„Es ist Learning by Doing“, erzählt Shadi Souri, der in der Uni-Stadt Gießen die Pizzeria „Pizza Wolke“ betreibt. Und ein Kraftakt: Die ersten vier Stunden als Lieferdienst seien anstrengender gewesen als 16 Stunden in der Küche zu stehen. Doch der Zuspruch der Kunden sei groß. Und damit auch die Hoffnung, die Krise zu überstehen.

Seit dem vergangenen Samstag sind die Lokale in Hessen geschlossen. Die Zwangspause gehört zu den Maßnahmen, mit denen Kontakt eingeschränkt und das Coronavirus ausgebremst werden soll. Gastronomen dürfen Essen aber noch abgeben oder ausliefern. „Das Schwierigste war, die Touren zu planen. Wo fährst du jetzt als erstes hin, damit es am besten passt?“, erzählt der 29-jährige Souri von den ersten Erfahrungen im mobilen Geschäft.

Service generiert Geschäft

Alles an der schnellen Umstellung auf den Außer-Haus-Betrieb sei eine große Herausforderung, berichtet auch Minas Adis vom Gießener Burger-Restaurant „Gutburgerlich“. „Alle wollen zur gleichen Zeit essen.“ Es sei unfassbar schwierig, die Bestellungen und Logistik zu koordinieren. Improvisieren gehört dazu: „Wir haben uns Autos geliehen, von meiner Mutter, mein Vater von seiner Mutter“, erzählt der 32-Jährige.

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Nach Einschätzung von Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des hessischen Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga, kann der Einstieg in den Lieferservice in dieser Situation den Wirten helfen. „Weil es Geschäft generiert. Und es schafft zumindest Bewegung in den Betrieben, die ansonsten ja total tot sind. “ Die Umstellung an sich sei gar nicht so sehr das Problem, glaubt Wagner: „Das ist durchaus machbar, die Gastronomen sind Profis und sicherlich diejenigen, die am nächsten dran sind, um so etwas – auch wenn sie so etwas bisher nicht gemacht haben – schnell umzusetzen.“

Mit welchen Ideen auch die Gastwirte derzeit auf die Krise reagieren – die Stimmung in den etwa 10 000 Restaurant- und Cafébetrieben in Hessen ist Wagner zufolge gedrückt. Ängst, Sorgen, Nöte, Panik, Verzweiflung – es sei alles dabei bis auf gute Stimmung. „Wir haben insgesamt allerdings auch eine Rückbesinnung auf Werte wie Zusammenhalt und Partnerschaft.“ Das ist auch das Rezept in Gießen. Auf Initiative von Shadi Souri haben sich Gastronomen überlegt, wie sich die Betriebe in der Krise aufstellen können. Ergebnis: Die gemeinsame Internetplattform www.giessenteiltaus.de, auf der mehr als ein Dutzend Lokale ihr Angebot von Burger und Pizza über Döner, Veganes, Bowls, Eis bis hin zu Wein, Italienisches oder Cocktails öffentlich machen. lhe