Politik - In Wahlkreis II treten Eisenmann und Hermann an Entscheidungauf den Fildern

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Ulrike Bäuerlein
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Stuttgart. Kaum ein Ergebnis dürfte am Abend der Landtagswahl am 14. März mit größerer Spannung erwartet werden. Der Wahlkreis Stuttgart II, der sich über mehrere Stuttgarter Ortsteile rund um den Fernsehturm erstreckt und auch ,,Filderwahlkreis“ genannt wird, wird zur Blaupause für Sieg oder Niederlage der CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann. Die Stuttgarterin ist hier zuhause und als ehemalige Schulbürgermeisterin und amtierende Kultusministerin weithin bekannt. Jetzt will sie sich hier auch das Landtagsmandat holen.

CDU-Kandidatin Susanne Eisenmann und Winfried Hermann (Grüne). © dpa
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Der Gegner, dem sie es abjagen will, ist freilich mindestens ebenso prominent: Es ist ihr Kabinettskollege Winfried Hermann, grüne Partei-ikone, der bei Landtagswahl 2016 mit 37,2 Prozent der Stimmen auf den Fildern ein Ergebnis weit über dem grünen Landesschnitt holte. Mit knapp 13 Prozentpunkten Vorsprung hängte Hermann damals die CDU-Kandidatin ab. Und auch 2011 ging das Landtagsmandat von den Fildern bereits an die Grünen – wenn auch denkbar knapp.

Minister sieht sich im Vorteil

Winfried Hermann jedenfalls ist vor der prominenten Kultusministerin nicht bange. „Ich war bei der Landtagswahl 2016 viel umstrittener als heute. Aber die Kritik hat deutlich nachgelassen, mittlerweile hat die CDU ja auch manche Forderungen übernommen, und die Wählerinnen und Wähler wissen, wofür ich stehe und wie sehr ich mich für eine nachhaltige Entwicklung einsetze“, sagt der Verkehrsminister. „Insofern mache ich mir nicht allzu große Sorgen um das Wahlergebnis.“

Selbst für die kampfeslustige CDU-Spitzenkandidatin, die keine Herausforderung scheut, ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Manche fragen sich, warum sie sich das antut und sich nicht um einen vergleichsweise sicheren Wahlkreis bemüht hat. Für Eisenmann aber kam das nicht infrage. „Die Fildern sind meine Heimat. Ich trete dort an, wo ich aufgewachsen bin, wo ich lebe, wo ich einkaufen gehe und wo die Menschen mich kennen – auch aus meiner Tätigkeit in der Kommunalpolitik über viele Jahre“, sagt die 56-Jährige über ihren Wahlkreis.

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Dieser ist mit seinen rund 90 000 Wahlberechtigten ein spezielles Pflaster. Es gibt ländliche, teils sogar dörfliche Strukturen, die Ortschaften sind in die Natur eingebettet und beheimaten doch High-Tech-Arbeitsplätze, Forschungsstandorte, Universität und Weltunternehmen. Der Akademikeranteil ist hoch. Hier leben Konservative und Antroposophen, Welt- und Wutbürger, Schaffer und schwäbische Hausfrauen – ein Soziotop, in dem es sich gut lebt und das wie geschaffen ist für Grün-Schwarz oder Schwarz-Grün. Bei der Kommunalwahl 2019 gab es auf den Fildern ein sattes grünes Ergebnis, bei der OB-Wahl 2020 aber räumte CDU-Bewerber Frank Nopper deutlich die meisten Stimmen ab.

Für Kai Jehle-Mungenast, Bezirksvorsteher von Stuttgart-Vaihingen, ist das Rennen auf jeden Fall spannend. Dass sowohl Eisenmann als auch Hermann prominent und vor Ort bekannt sind, hat nicht nur Vorteile, glaubt er. Letztlich, meint der Bezirksvorsteher, werde bei der Abstimmung am 14. März aber doch parteipolitisch entschieden – Prominenz hin oder her.